21.11.2009
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(5. Oktober) Kreidler haben uns schon vor 15 Jahren Krautrock schmackhaft gemacht - und waren damit ziemlich allein. Ihr neues Album "Mosaik 2014" hat den alten Ruhm von Kreidler aber gar nicht nötig. Es ist auch so großartig.
Von Sabine Gietzelt
Krautrock braucht Zeit, Fläche, Muse, Platz. Kreidler haben sich den schon immer genommen. Keine Hypes aufgegriffen, sondern sich im illustren Kunstzirkel sehen und hören lassen. Dort hat man Zeit. Und ein bisschen Geld auch. Und schick ist es außerdem. Das ideale Dreigestirn für Kreidler.
Bildunterschrift: "Mosaik 2014" von Kreidler
Kreidlers Musik ist allem Krautimage zum Trotz schick und nicht nur bartig. "Mosaik 2014" ist hi-tech glatt, und so schneidig wie ein japanisches Messer. Schön UND brauchbar. Form UND Funktion. Mit Beats und Perkussion, die wie eine Wellnessmassage am richtigen Knoten zupfen und da und dort ein wenig die Harmonie verzerren. Aber nur so viel, dass es nicht wehtut. Sondern lockert. Musik im Fluß. Kreativität.
Die Macher - oder die Plattenfirma - möchten "Mosaik 2014" gerne in einem cineastischen Zusammenhang sehen. Der Kino-Vergleich stimmt hier tatsächlich: Die Sounds sind kein Musik-Teppich, und wenn schon akustisches Mobiliar, dann steht "Mosaik 2014" für ein Sofa, in das man hineinsinkt. Und nicht wieder rauskommt. Zumindest bis einen der Kraftwerk-Kalauer aus der gemütlichen Genuss-Schneise herausreist.
Bildunterschrift: Kreidler: Brauchbare Musik im illustren Kunstzirkel
Hohe Frequenzen, so beweist diese Platte von Kreidler, können zwar auch ein Ärgernis sein. Doch diese Platte will Tiefe haben und nicht musikalischer Wegbegleiter zum Wegdämmern sein. Intelligent also auch noch.
Und wir hören weiter und denken bei High Wichita noch an Mike Inc, Jörg Burger, Reinhard Voigt und all die minimalistischen Vordenker, die deutschen Techno auf den Weg gebracht haben, bevor er auf der Skihütte die falsche Abzweigung zur berauschten Abfahrt genommen hat.
Diese Platte ist ein Zeitloch, in das man hineinfällt, sich zuhause fühlt und entspannt wieder herausklettert. So entspannt, dass man die vielen häßlichen Gesichter und Klänge der Welt einfach wieder besser erträgt. Sie perlen einfach ab. Kreidlers Neue ist also: Musik der Luxusklasse, nur nicht so dekadent und abgeklärt.
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