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Redensarten Plauderei aus dem Nähkästchen

Stand: 23.03.2009

Definition

Etymologie

Die Etymologie (griech.) ist die Lehre von der Ableitung der Wörter und ihrem wahren Ursprung. Sie untersucht die Wortherkunft, Grundbedeutung und historische Entwicklung. Als Etymon bezeichnet man das Grund- oder Stammwort.

Obwohl fest in unserem Wortschatz verankert, sind die meisten Redensarten wortwörtlich betrachtet sinnbildlicher Unsinn. Ein Stein im Brett. Ein Frosch im Hals. Würmer aus der Nase ziehen. Mithilfe von Sprachwissenschaften und geschichtlichem Hintergrundwissen finden sich letztlich aber auch für die kuriosesten Redensarten etymologische Erklärungen.

Redensarten
 
1

Aus dem Nähkästchen plaudern

Nähkästchen | picture-alliance/dpa Zur gepflegten Dame des 19. Jahrhunderts gehörte ein Nähkästchen genauso dazu wie zur Business-Frau heute das Schminkköfferchen. Gemeinsam traf man sich zum Häkeln und Stricken und tauschte neben Zwirn und Faden gleich die neuesten Geschichten aus.

2

Herkunft

Das Nähkästchen war ein Accessoire, dass für gewöhnlich nie in Männerhände fiel. Zwischen Nadel und Faden lag daher so manches Geheimnis verborgen. Es war nicht nur der Aufbewahrungsort für Handwerkszeug, sondern eignete sich hervorragend, um geheime Briefe oder persönlichen Krimskrams zu verstecken. Populärstes Beispiel ist das Nähkästchen von Fontanes Effi Briest. Ihr Mann fand darin Briefe, die sie ihrer Affäre überführten.

Redensarten
 
1

Etwas ist null-acht-fünfzehn

Uhr mit der Uhrzeit 20:15 | Digital Vision Es gibt 08/15 Klamotten, 08/15 Essen und 08/15 Autos. Prinzipiell ist die 08/15 Welt so groß wie das Reich des Alltäglichen. Gebraucht man den Ausdruck 08/15, will man etwas beschreiben, das jeder schon kennt und es als "nichts besonderes" abstempeln.

2

Erklärung

Französische Soldaten während der Schlacht um Verdun | picture-alliance/dpa Das Maschinengewehr 08/15 war das Standard-MG der deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg. Jeder Soldat wurde damit ausführlich gedrillt, bis er alle Einzelteile in- und auswendig kannte. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff für veraltete Massenware und überhaupt alles, mit dem man sich bis zum Überdruss beschäftigen musste, gebräuchlich. 08/15 wurde so zu einem Synonym für Standard.

Redensarten
 
1

Mit allen Wassern gewaschen sein

Frau wäscht sich die Hände | Getty Images Morgens das Gesicht mit Apollinaris, mittags kurz die Hände mit Volvic und kurz vor dem Schlafen eine Dusche mit Gerolsteiner - und schon ist man mit allen Wassern gewaschen. Nein, so ist die Redensart sicher nicht gemeint. Doch wie wäscht man sich denn mit allen Wassern?

2

Erklärung

Aufgeregter Matrose erzählt einer Frau etwas | Getty Images Wer mit allen Wassern gewaschen ist, verhält sich umgangsprachlich clever, gerissen und gewitzt. Ursprünglich bezog sich diese Redewendung auf weit gereiste Seeleute, die schon mit dem Wasser verschiedener Ozeane in Berührung gekommen waren. Sie haben durch ihre Schifffahrten und den Besuch zahlreicher Länder ihre Lebenserfahrung eminent gesteigert.

Redensarten
 
1

Das ist mir schnuppe

Perseiden-Bolide | NASA "Es ist mir schnuppe, dass das Schnupperangebot des Anti-Schuppenshampoos auch Schnupfen vorbeugen soll." Ist einem etwas schnuppe, steht man der Sache gleichgültig gegenüber und es ist einem einerlei. Aber warum nur?

2

Erklärung

Als "Schnuppe" bezeichnet man das verkohlte Ende des Kerzendochts. Etwas absolut Wertloses und Uninteressantes. Die umgangssprachliche Wendung, dass einem etwas Schnuppe ist, beschreibt mit dem Ausdruck der wertlosen Schnuppe etwas für einen persönlich völlig Unwichtiges. Auch die Sternschnuppen kamen so zu ihrem Namen. Sie sind Gesteinsbrocken, die durch den Aufprall mit der Erdatmosphäre verglühen.

Redensarten
 
1

Unter aller Kanone

Kanonen | picture-alliance/dpa Das ist wirklich "unter aller Kanone", wie sich gerade diese Redensart entwickelt hat. Dem ersten Anschein nach vermutet man nämlich, dass sie aus dem Soldaten-Jargon von Kriegen und Gefechten stammt. Doch weit gefehlt!

2

Erklärung

Die Redensart entwickelte sich aus dem theologischen Begriff "sub omni canone". Wörtlich übersetzt heißt das "unter allem Kanon". Das Wort Kanon bedeutet im lateinischen Richtschnur. Früher war der Kanon zudem das schulische Stufensystem für Zensuren. War eine abgelegte Klausur dermaßen schlecht, war sie unter allem Kanon. Fernab von jeder Bewertung. Der Volksmund hat sein Übriges getan und das Wort Kanon in Kanone gewandelt.

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