BR-online (zur Startseite)
Bayerischer Rundfunk

13.03.2010


BR-Navigation


Bayern 2



Inhalt

Cees-Nooteboom-Porträt Reisender und notorischer Welterfinder

"Schauen ist alles, was ich kann", sagt Cees Nooteboom. Aber natürlich kann der Holländer noch mehr: vor allem bildgewaltig beschreiben, was er sieht. Da sind sich Leser wie Kritiker einig und wundern sich, dass die Schweden den Literaturnobelpreis noch nicht herausgerückt haben.

Stand: 20.07.2009

Autor Cees Nooteboom

Eigentlich verdanken wir einem südamerikanischen Mädchen aus Surinam Nootebooms wunderbare Bücher über die fremden Länder in uns und um uns. Als sich der 20-jährige Niederländer in die Reederstochter verliebt und bei ihrem Vater um ihre Hand anhält, schickt der ihn erst einmal auf einem seiner Schiffe auf Reisen. Als Nooteboom von der langen Fahrt zurückkehrt, hat er in dem Reeder einen Freund fürs Leben gefunden, aber heiraten darf er die Tochter nicht. Tut es aber trotzdem, in New York, doch das ist eine andere Geschichte. Nooteboom hat auf seiner Reise das Sehen gelernt und spürt nun, dass er dieses Sehen in sprachlichen Bildern ausdrücken will - und kann.

Rituale fürs Leben

Der holländische Autor Cees Nooteboom 2003

Nooteboom, der am 31. Juli 1933 in Den Haag zur Welt kommt, verliert seinen Vater im Zweiten Weltkrieg. Als die Mutter wieder heiratet, schickt ihn der Stiefvater auf die Klosterschule. Nooteboom erweist sich als kritischer Schüler, resistent gegen religiöse Indoktrination. Doch was ihn fasziniert, sind die Zeremonien und Rituale, die seinen Schulalltag strukturieren. Trotzdem bricht er die Schule ab, jobbt und reist mit dem Fahrrad und per Anhalter durch Europa. Seine Reisen, sein grundlegendes Unterwegssein ersetzen ihm die Rituale und strukturieren ab sofort sein Leben. Und er schreibt über das, was er sieht und erlebt.

Sehen, reisen, schreiben

Der Schriftsteller Cees Nooteboom 1998 bei einer Lesung

Bild vergrößern Bildunterschrift: Nooteboom 1998 bei einer Lesung

1955 veröffentlicht er seinen ersten Roman, der drei Jahre später unter dem Titel "Das Paradies ist nebenan" auf Deutsch erscheint. Das Buch ist ein Bestseller. Sein zweiter Roman, "Der Ritter ist gestorben", enttäuscht die Kritiker jedoch und es dauert lange, bis Nooteboom wieder als Romanautor in Erscheinung tritt. Dafür aber mit einem Paukenschlag: 1980 kommt "Rituale" in den Buchhandel, seine Leser sind begeistert. In der Zwischenzeit veröffentlicht er Reisebücher. Bloß für die Fiktion hat ihm die Fantasie nicht ausgereicht, "um aus dem Nichts heraus zu spinnen", wie er sagt, "dann muss man halt durch die Welt reisen und das habe ich 17 Jahre lang getan."

Nooteboom und Berlin

Und er findet auf seinen Reisen Bilder, die er sprachlich zum Leuchten bringt. Zum Beispiel wenn er in "Rituale" die Erinnerung mit einem Hund vergleicht, der sich hinlegt, wo er will.

Als Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms erlebt Nooteboom 1989 den Fall der Mauer. Berlin beeindruckt ihn tief und er kehrt immer wieder zurück. Drei Bücher veröffentlicht er über die Stadt, darunter 1999 den Berlin-Roman "Allerseelen". Zum Teil ist es sicher seiner Begeisterung für Berlin zu verdanken, dass ihn die Deutschen beinahe lieber mögen als die Holländer. Doch dass er überhaupt so schreibt, wie er schreibt - dahinter steckt das Mädchen aus Surinam.

Romane von Nooteboom (Auswahl)

1955 Philip en de anderen (dt. Das Paradies ist nebenan)
1963 Der Ritter ist gestorben
1980 Rituale
1982 Mokusei!
1991 Die folgende Geschichte
1999 Allerseelen
2005 Paradies verloren

Zur Übersicht: radioWissen
  •  
  • RSS
  • Atom