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09.02.2010


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"Radio ist Kino im Kopf" - dieser wunderbare Satz beschreibt am treffendsten die Königsdisziplin des Hörfunks: das Feature.
Mit allen akustischen und erzählerischen Mitteln will es Hörerinnen und Hörer in seinen Bann ziehen und ihnen das Gefühl geben, dabei zu sein, mitzuerleben, was die Autoren hörbar machen. Nah an der Wirklichkeit, tiefgehend in der Recherche, dicht in der Dramaturgie bietet das Hörbild Gelegenheit, in fremde Welten einzutauchen und die Oberfläche der Dinge zu durchdringen. 

Unsere aktuellen Sendungen

Samstag, 6. Februar 2010
"Geh doch rüber!"
Von Menschen, die in die DDR übergesiedelt sind
Von Moritz Holfelder

Samstag, 13. Februar 2010
Koma-Kicks
Erkundungen unter jungen Kampftrinkern
Von Tom Schimmeck

Samstag, 20. Februar 2010
"Nach mir die Sintflut!"
Von Nachlässen, Vorlässen
und der Kunst des Loslassens
Von Carmen Winklmüller

Samstag, 27. Februar 2010
das ARD radiofeature:
Der Einsturz zu Köln
Von Peter Meisenberg
(WDR 2010)

Zu den einzelnen Sendungen:

Samstag, 6. Februar 2010
"Geh doch rüber!"
Von Menschen, die in die DDR übergesiedelt sind
Von Moritz Holfelder

Die Auswanderung von Bundesbürgern in die Deutsche Demokratische Republik ist bis heute ein Tabuthema. Immer noch gibt es Politiker und Historiker, die eine öffentliche Diskussion darüber am liebsten verhindern möchten: Dass zwischen 1949 und 1989 relativ viele Menschen nach drüben gingen, wird nach wie vor als Angriff auf die freiheitlich demokratischen Werte des Westens begriffen. Aber welche Gründe hatten die Übersiedler tatsächlich, das politische System zu wechseln? Oft waren es nicht ideologisch verbohrte Kommunisten oder weltfremde Spinner, die nach drüben gingen. Ihre Motive reichten von der Liebe, die in den Osten lockte, über berufliche Chancen, die der Sozialismus bot, bis zu dem unbestimmten Gefühl, einfach ein neues Leben beginnen zu wollen. Wie erlebten die Übersiedler ihr neues Deutschland? Was taten sie, als 1989 die Mauer fiel?
Moritz Holfelder spürt in seinem Feature „Geh doch rüber!“ den Gedanken der Auswanderer nach und verankert ihre Schicksale im großen Rahmen der Weltgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In collageartigen Kompositionen lassen die Protagonisten die Hörerinnen und Hörer an ihren spannenden Biographien teilhaben, darunter der Wiener Burgschauspieler Otto Tausig und die Autorin Gisela Kraft.
„Geh doch rüber“ öffnet ein weitgehend unbekanntes Kapitel der deutsch-deutschen Teilung und stellt darüber hinaus die Frage nach dem richtigen Leben im falschen: Welches politische System braucht der Mensch, um glücklich zu werden?

Samstag, 13. Februar 2010
Koma-Kicks
Erkundungen unter jungen Kampftrinkern
Von Tom Schimmeck
(NDR 2008)

Jedes Jahr trinken rund 750.000 Menschen in Deutschland das erste Mal Alkohol. Jeder fünfte 14-Jährige greift einmal pro Woche zur Flasche. Für viele der Beginn einer Trinkerkarriere. Das Rauschtrinken, „Koma-“ oder „Flatrate-Saufen“ nimmt zu. Das Einstiegsalter für Alkoholiker ist unter 13 Jahre gefallen. Jugendalkoholismus findet kaum in Statistiken statt, aber es gibt ihn. Die einen wollen einfach ein bisschen erwachsen sein, dazugehören, manche wollen auch Sorgen vergessen, und die meisten träumen davon, so richtig cool zu sein. Hoch die Tassen. Weitertrinken. Filmriss. Mehrere Tausend Kinder und Jugendliche landen in Deutschland jedes Jahr volltrunken im Krankenhaus. Dabei sind die Gefahren für jugendliche Trinker ungleich höher als für Erwachsene: das kindliche Nervensystem reagiert empfindlicher, bereits ab 0,5 Promille Alkohol im Blut kann ein Jugendlicher bewusstlos werden. Während bei einem Erwachsenen etwa 6 Gramm Alkohol je Kilogramm zum Tode führt, stirbt ein Schulkind bei der Hälfte.

Samstag, 20. Februar 2010
"Nach mir die Sintflut!"
Von Nachlässen, Vorlässen
und der Kunst des Loslassens
Von Carmen Winklmüller

Sie erinnert sich noch ganz genau daran, wie sie sich als Kind geärgert hat, als ihr eine Freundin ins Poesiealbum schrieb: „Was du ererbt von Deinen Vätern…, erwirb es, um es zu besitzen!“ Dass sie den Goethe-Spruch damals als eine drohende Verpflichtung empfand, war womöglich eine Vorahnung: Auf Anka Kröhnke lastet ein riesiges Erbe, mehr als 1500 Bilder aus 3 Generationen ihrer Künstlerfamilie, alles möchte sie bewahren und  - mehr noch - sichtbar machen. Ihr eigenes Werk hat die Tapisserie-Künstlerin dabei in den Hintergrund gestellt, mit all ihrer Kraft hat sie in einem kleinen Ort an der Ostsee in einer ehemaligen Fabrikhalle ein Kunsthaus eingerichtet.
Andere verschwenden keinen Gedanken an das Danach. Franziska G. pflegte als weit über 90-Jährige immer zu sagen: „Nach mir die Sintflut“ und weigerte sich beharrlich, ihre kostbare Bücherei, die Biedermeierstühle und den Designer-Glastisch
irgendjemandem zuzusprechen. Da die kinderlose Dame eine Sammlerin war, glich ihre Wohnung einer Wunderkammer.  Nach ihrem Ableben bildete sich ein kleiner Freundeskreis, der sich um die Dinge kümmerte, aber immer wieder ratlos war, immer wieder wurde diskutiert, was denn nun „im Sinne“ von Franziska G. sei, ein Freund erfand das Bonmot, dass aus der Sintflut eine wahre Sinnflut würde. Etliche Bibliotheken freuten sich, mehrere Archive, Museen, gemeinnützige Vereine und der Hausmeister. Vielleicht steckte hinter der starren Weigerung von Franziska G. auch die Angst, sich mit der eigenen Vergänglichkeit auseinandersetzen zu müssen?
 „Nach mir die Sintflut“ ist keine gute Einstellung, sagt Binette Schröder. Die Kinderbuch-Illustratorin hat ihren „Vorlass“ bereits der Internationalen Jugendbibliothek. Ist doch schön, wenn man davon selber noch was hat, sagt sie. Ohnehin ist die weit bessere Erkenntnis: „Geben muss man mit der warmen Hand“.

Samstag, 27. Februar 2010
das ARD radiofeature:
Der Einsturz zu Köln
Von Peter Meisenberg
(WDR 2010)

Am 3. März 2009 um 14 Uhr bricht das sechsstöckige Magazingebäude des Historischen Archivs der Stadt Köln in sich zusammen und reißt die Nachbargebäude mit sich. Zwei junge Männer sterben. Einer der bedeutendsten Horte europäischer Stadt- und Kulturgeschichte versinkt im Untergrund. Und mit ihm das, was der Nachwelt erhalten bleiben sollte, wie die Frontbriefe Heinrich Bölls. Die wahrscheinliche Ursache: eine 30 Meter tiefe U-Bahn-Baugrube unmittelbar vor dem Stadtarchiv. Die Baufirmen, der Bauherr und die Stadtverwaltung weisen sich gegenseitig die Verantwortung zu. Was genau ist geschehen? Der Autor trifft bei allen auf gutes Gewissen. Fehlte angesichts der Komplexität des gewaltigen Bauwerks der Überblick?

"Radio ist Kino im Kopf"  - dieser wunderbare Satz beschreibt am treffendsten die Königsdisziplin des Hörfunks: das Feature.
Mit allen akustischen und erzählerischen Mitteln will es Hörerinnen und Hörer in seinen Bann ziehen und ihnen das Gefühl geben, dabei zu sein, mitzuerleben, was die Autoren hörbar machen. Nah an der Wirklichkeit, tiefgehend in der Recherche, dicht in der Dramaturgie bietet das Hörbild Gelegenheit, in fremde Welten einzutauchen und die Oberfläche der Dinge zu durchdringen.

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