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10.02.2010


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Simultaneität Ein Radio-Essay in 4 Folgen

Zu den geläufigen "Aporien der Gegenwart", den Unmöglichkeiten, zählt das Phänomen der Simultaneität - Gleichzeitigkeit. Alles wird immer zeitökonomischer, trotzdem scheint immer weniger Zeit überhaupt zur Verfügung zu stehen. Wichtige Ereignisse werden mehr, überlagern sich gar, dennoch ist immer wieder das subjektive Gefühl da, immer weniger zu erleben.

Stand: 21.09.2009

Illustration zu "Simultaneität", Hochgeschwindigkeitszug, Landschaft

Aus den immer mehr werdenden parallelen Gegenwartsoptionen wird immer weniger Gegenwart, in der Soziologie und Philosophie ist von der "Gegenwartsschrumpfung" (H. Lübbe), vom "rasenden Stillstand" (P. Virilio), und vom "Leben im Loop" (D. Diederichsen) die Rede. Das Nachtstudio nimmt in einem vierteiligen Radioessay die relativ stillschweigend hingenommenen, de facto jedoch dramatischen Veränderungen der Zeitorganisation und -wahrnehmung innerhalb der letzten Jahre aus philosophischer, sozio-kultureller Sicht ins Visier.

1. Parallelaktionen

Illustration zu "Simultaneität", Bildschirme, Telefon, Uhr

Im ersten seiner Essays zur Simultaneität betrachtet Johannes Ullmaier "Parallelaktionen" und die "Multi-Multi-Multitasker's World". "Double" oder gar "Triple your time" lautet das Zeit-Motto in Werbespots. Szenarien der rapiden Entwicklung des Multitasking in der Lebenswelt bieten Handy, Internet, Twitter, etc. Am Arbeitsplatz wird die Überforderung durch Multitask-Zwänge deutlich durch ständige Unterbrechungen, Fragmentierungen, Dissoziation, Sich-Verlieren in Details, Bewältigungs-Panik. 

2. Eine kurze Geschichte der Gleichzeitigkeit

Illustration zu "Simultaneität", Autobahnkreuz

In der zweiten Folge erzählt Ullmaier eine "kurze" (Kultur-)Geschichte der Gleichzeitigkeit, von der Antike bis heute. Wann begann die Zeitrechnung, das lässt sich leicht beantworten. Aber wann begann das Nachdenken über die Zeit?
Johannes Ullmaier präsentiert im rasanten Gedankendurchlauf Zeittheorien mit Aristoteles, Thomas von Aquin und Meister Eckart, Herder und Lessing, Schopenhauer, Nietzsche, Bergson, Newton und Einstein, Helmholtz und Bloch sowie Lichtenberg, Gutzkow, Flaubert und Whitman.

3. Der Lärm der Strasse dringt ins Haus

Illustration zu "Simultaneität", Arbeit in Hafenanlage, Großstadt

Folge drei stellt mit vielen literarischen und akustischen Beispielen vor, wie die Simultaneität ausgehend von den Futuristen Anfang des 20. Jahrhunderts zum Kunstprogramm für Bildende Kunst, Literatur/Lyrik/Hörspiel und Musik wurde.
Programme der Kunstavantgarden Futurismus, Dada, russische gegenstandslose Kunst sowie kurze Zitate von Gottfried Benn, Hugo Ball, Richard Huelsenbeck, Raoul Hausmann, Rolf Dieter Brinkmann, Alfred Döblin, F. T. Marinetti, Laszlo Moholy-Nagy, Guillaume Apollinaire u. a. sorgen  für eine atemlose Erzählung in dieser essayistischen Performance.

4. Ein Mischpult für die Gegenwart

Illustration zu "Simultaneität", Hochgeschwindigkeitszug, Landschaft

In der vierten Folge zieht Ullmaier Bilanz, was der Begriff  "Simultaneität" als Diskursmotor und für die techno-ästhetische Entwicklung im Medien-Zeitalter bedeutet. Als Gast ist Oswald Wiener dabei, der einige Fragen zu Würfeln und Motoren aufwirft.
Oswald Wiener, geboren 1935 in Wien, betrachtet Kunst als Wissenschaft. Ehemals war er der Theoretiker der "Wiener Gruppe" (1954-1964), eine der radikalsten Künstlervereinigungen im Nachkriegseuropa. Wieners literarischer Werdegang und seine Publikationen, wie z.B. "Poetik im Zeitalter naturwissenschaftlicher Erkenntnistheorie" und "Probleme der künstlichen Intelligenz", beide von 1990, offenbaren, dass sich Wiener als Schriftsteller, Kybernetiker und Sprachtheoretiker versteht.

Zur Produktion

Vortrag: Johannes Ullmaier

Sprecher: Werner Rehm, Bernhard Schütz, Claudia Mingues-Urbschat

Johannes Ullmaier: Literaturwissenschaftler, Akademischer Rat am Deutschen Institut der  Johannes Gutenberg-Universität Mainz,  Mitbegründer und -herausgeber des Magazins "testcard".
Veröffentlichungen:
Pop shoot Pop (1995)
Kulturwissenschaft im Zeichen der Moderne (2001)
Von Acid nach Adlon und zurück (2001)
Schicht! Arbeitsreportagen für die Endzeit (2007)

Frieder Butzmann: Musiker, Autor, diverse Hörspiele und Feature, Veröffentlichungen im Martin Schmitz Verlag

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