21.11.2009
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Mit bissigen Bemerkungen über das Wahlergebnis der CSU und den neuen Bayerischen Ministerpräsidenten hält sich Hildebrandt ebenso wenig zurück wie mit Anmerkungen zum deutschen Fußball und zur Debatte um das NPD-Verbot.
Stand: 28.11.2008
"Ich als Wähler in Bayern mache mir ernstlich Gedanken, ob ich bei diesem entsetzlichen Wahlergebnis von 43% für die CSU … mein Gott, das ist für diese Partei so, als würde die SPD unter die 5% fallen … ob ich da nicht hätte als Wähler einspringen müssen. Ich bin am Wahltag auch noch umgekehrt, da hatte ich meine Stimme gekreuzt, gefaltet und verurnt und habe den Wahlhelfer … Wahlhelfer, so ein Blödsinn, der hilft einem überhaupt nicht … habe ihn gefragt: "Kann ich's noch mal haben?" Wir fragen uns immer noch: "Wie ist das passiert?" Haben die bayrischen Wähler etwa an dem Tag nach Leistung gewählt? Das sind ja ganz neue Dimensionen."
Nun hat der Retter Bayerns auf dem Stuhl des Philisterpräsidenten Platz genommen. Ein Mann ohne Fehl und Tadel, der aus der Höhe und Länge seiner Unfehlbarkeit auf uns herunterblickt. Ein Mann, dessen Fallhöhe nur zu ermessen ist, wenn man sich ein Ross unter seinen Hintern denkt. Ein Mann, dem man an der Nasenspitze ansieht, dass er in seinem katholischen Vorleben sich noch nie einen Millimeter von der Wahrheit entfernt hat. Seehofer. Horsti, wie er schon gekosnamt wird. Er hat der "Zeit" ein Interview gegeben und ist in den Ruf ausgebrochen: "Wir sind eine Einzigartigkeit." "Ich kenne keine zweite Partei in ganz Europa", er meint die CSU, "die über lange Zeit so überwältigende Zustimmung in der Bevölkerung hat." Und weiter sagt er: "Die Volkspartei CSU lebt von der Schnittmenge aus wirtschaftlicher Effizienz - kultureller Erneuerung und sozialer Gerechtigkeit. Und ich repräsentiere das ganze Spektrum." Und weiter sagt er: "Wenn wir diese drei Säulen mit Inhalten und Gesichtern füllen …", meint er, und ich dachte sofort: Dann sind diese Säulen wohl hohl?
Können Sie sich noch erinnern? Vor ein paar Jahren haben die deutschen Buben plötzlich Fußball gespielt, als ob sie es können. Da muss ihnen die Kanzlerin gesagt haben, wie es geht. Jetzt waren sie wieder eingeladen. Da waren sie so beeindruckt, die braven Buben, dass sie ins Stottern gerieten, wenn sie von der Ehre faselte, die ihnen da widerfahren ist. Helmut Rahn hätte im Kanzleramt einen fahren lassen und hätte gefragt, warum die im Ruhrgebiet so ein beschissenes Leben führen müssen. Kein Wunder, dass ihnen die Spieler in Spanien, Italien und England immer den Ball wegnehmen. Und zwar ohne einen Trost. Demnächst werden sie im Matrosenanzug auftreten.
In München fand ein Aufmarsch von Nazis statt. Ich sage Nazis, weil das Neo immer signalisiert: Es handelt sich um etwas Neues. Tut es nicht. Es ist die alte Scheiße. Hohlköpfe marschieren brüllend durch die Städte, um uns mitzuteilen, dass sie dem größten Massenmörder der Welt folgen wollen, der einer Verbrecherbande in braunen Uniformen voranging, die ganz Europa in Schutt und Asche gelegt hat.
Warum dürfen sie überhaupt marschieren in dieser Republik? Diese Koalitionsregierung hat immer wieder entschieden: Sie dürfen weiter marschieren, bis alles in Scherben fällt. Die Regierung ist gegen einen neuen Versuch, die Urzelle der Gewalt, nämlich die NPD zu verbieten. Sie hat weniger Angst davor, dass Inder, Afrikaner, Vietnamesen halb tot geprügelt werden, nein, sie hat Angst, dass sie ein zweites Mal gegen das Verfassungsgericht verliert. Das könnte ihren politischen Ruf schädigen, ihre Karriere abbauen, Minuspunkte in die Agenda drücken. Das sagt sie, die Regierung, wäre ein Rückschlag für die Demokratie. Dass diese Nazihorden weiter durchs Land ziehen und öffentlich mitteilen, dass sie unsere Verfassung verachten und abschaffen wollen und nicht verboten werden können, weil das die Verfassung nicht zulässt, das muss mir einer mal erklären.
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