10.02.2010
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"Das lösen wir im Team!" Wenn es knifflig wird in der Arbeit, dann setzen viele auf die angeblich segensreiche Wirkung von Teamwork. Doch ob Brainstorming oder komplexe Entscheidungsfindung, Teams haben ihre Tücken. - Ein Feature von Miriam Stumpfe.
"Ein wirklich effektives Team in den heutigen arbeitsteiligen Umwelten kann gar nicht harmonisch sein."
Dr. Edgar Geiselhardt, Teamtrainer
Alex Osborne, ein Werbefachmann aus den USA, hat in den 50er Jahren einen der hartnäckigsten Mythen über Teamwork in die Welt gesetzt: Brainstorming in der Gruppe steigert die Kreativität! Bis heute ist diese Auffassung verbreitet, obwohl Psychologen in zahlreichen Experimenten gezeigt haben, dass das Gegenteil der Fall ist: Je mehr Personen in einer Gruppe zusammensitzen und gemeinsam Ideen entwickeln, desto weniger kommt dabei heraus. Denn Zuhören und gleichzeitig Ideen generieren, das ist eine Doppelaufgabe, die das Gehirn nicht gut bewältigt.
Bildunterschrift: Einer schreibt - alle denken mit! Oder etwa nicht?
Dass viele Menschen nach einem Gruppen-Brainstorming trotzdem den Eindruck haben, das Team hätte sie inspiriert, liegt an einer "Illusion der Gruppeneffektivität". Sie vergleichen das Ergebnis der Gruppe mit dem, was sie alleine herausbekommen hätten – eigentlich müssten sie den Gruppen-Output aber mit dem vergleichen, was die Gruppenmitglieder geleistet hätten, wenn alle alleine an der Fragestellung gearbeitet hätten.
"Das Arbeiten in Gruppen lässt sich gar nicht wegdenken. Es ist sozusagen die Wurzel unserer Zivilisation, und es wird in ganz verschiedenen Bereichen immer notwendiger. Aber: Wozu sollten wir Teamfähigkeit und Arbeiten in Gruppen einsetzen?"
Professor Felix Brodbeck, LMU München
Auch wenn Gruppen gemeinsam Entscheidung fällen, stehen sie sich manchmal selbst im Weg und entscheiden sich wider besseren Wissens für eine falsche Alternative. Eigentlich sollte man meinen, dass Gruppen klüger sind als Einzelpersonen. Ihre Mitglieder bringen unterschiedliches Wissen mit und verfügen somit über mehr Informationen als ein einzelner Entscheider. Doch das ist nur ein theoretischer Vorteil: Das Detailwissen der Einzelnen, das so genannte "ungeteilte Wissen", kommt in der Praxis oft gar nicht auf den Tisch. Lieber beißen sich Gruppen an wenigen Details fest und reden vor allem über das, was ohnehin schon alle wissen. Das verschafft den Einzelnen zwar Rückhalt in der Gruppe, der Sache dient es aber nicht: Im Zweifelsfall wird über die entscheidenden Informationen gar nicht gesprochen. Dieser Falle entkommen am ehesten jene Teams, in denen jedes Mitglied eine andere Meinung hat. Sie diskutieren am ausführlichsten.
"Es gibt bis heute keinen einzigen Befund, der zeigen würde, dass eine Gruppe beim Brainstorming produktiver wäre als Einzelpersonen. Eine Vier-Personen-Gruppen, das ist die bestuntersuchte Gruppengröße, ist es ungefähr so, dass sie die Hälfte an Ideen produziert, die vier Leute alleine erarbeiten."
Professor Michael Diehl, Uni Tübingen
Je mehr ein Team beschwört, wie gut es aufeinander eingespielt und wie harmonisch das Arbeitsklima sei, desto skeptischer werden Teamtrainer: Meistens schlummern die Konflikte dann im Verborgenen und werden in Grüppchen auf dem Flur diskutiert, statt im offiziellen Rahmen. Ein effektives Team in einer arbeitsteiligen Gesellschaft braucht Konflikte – und vor allem auch Strategien zur Konfliktbewältigung. Und wenn ab und zu Mitglieder rotieren, statt die aufeinander eingespielten Team-Player unter sich zu lassen, kann das nur hilfreich sein.
Dienstag, 7. Oktober 2008, 18:05-18:30 Uhr, Bayern 2
Autor: Miriam Stumpfe
Redaktion: Susanne Poelchau
Wissenschaft und Bildung/Wissenschaft