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06.09.2010


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Influenza Wer zählt als Grippe-Toter?

Die Grippewelle rollt über Deutschland und die Zahl der Infizierten steigt. Schon kursieren Schätzungen, wie viele Opfer sie dieses Jahr fordern wird. Doch Grippe-Tote sind gar nicht so leicht zu identifizieren - und ihre Zählung daher sehr ungenau.

Stand: 17.11.2009

Rentnerin hält sich die Hand an die Stirn, eine infografik deren Kurve sich spaltet | colourbox.com, BR, Montage: BR

Unter den Infektionskrankheiten fordert die Influenza jährlich die meisten Toten in Deutschland. Doch Statistiker können Grippe-Opfer nur schwer bestimmen, denn selten steht auf dem Todesschein als Todesursache "Grippe", sondern eher Lungenentzündung oder Schlaganfall. Wie viel Menschen während einer Grippewelle wirklich sterben, können Wissenschaftler nur indirekt berechnen. Berechnungsgrundlage ist die Zahl der Menschen, die normalerweise in einem bestimmten Zeitraum sterben. Sie wird verglichen mit der tatsächlichen Sterberate eines Jahres.

Wie man Grippe-Tote berechnet

"Wir nehmen uns die monatlichen Sterbefälle und tragen die auf über die vergangenen 20 Jahre. Da sehen wir, dass das einen sehr konstanten wellenförmigen Verlauf hat, das heißt im Sommer sterben deutlich weniger Menschen als im Winter. Das ist der beobachtete und zu erwartende Verlauf.

[...] Wenn jetzt eine Influenzawelle über Deutschland hinweg läuft, wie wir das momentan beobachten dann wird die Zahl der tatsächlich auftretenden Todefälle vermutlich über das zu Erwartende hinaus gehen und diese Differenz können wir berechnen und die wird dann der Influenza zugeschrieben."

Dr. Udo Buchholz, Zentrum für Infektionsepidemiologie, Robert-Koch-Institut, Berlin

Grippe-Kranke | Bild: colourbox.com

Diese Berechnungsart ist international üblich, hat aber einen Haken: Grippe-Tote kann man so nur rückwirkend bestimmen. Die exakten Sterbezahlen eines Jahres liegen dem statistischen Bundesamt immer erst Mitte des folgenden Jahres vor. Wie viele Menschen an der Grippe gestorben sind, lässt sich somit erst Mitte 2010 sagen. Bis dahin sind Schätzungen mit Vorsicht zu genießen - und wenig seriös. Sie liefern keine verlässlichen Informationen, sondern schüren eher Panik.

So stieg in den USA die Zahl der geschätztzen Grippe-Toten durch eine neu eingeführte Berechnungsart um das sechsfache. Eingerechnet wurden auch Todesfälle, die durch Infektionen nach einer Grippe-Erkrankung auftraten und Tote, bei denen das Virus nicht eindeutig nachgewiesen wurde. In Deutschland ist die Datenlage bisher noch zu dünn, um Schätzungen über mögliche Grippe-Tote und -Infizierte abzugeben. Eins ist jedoch sicher: Wie viele Grippe-Tote eine Epidemie jährlich fordert, ist starken Schwankungen unterworfen, denn sie hängt vom Subtyp des Influenzavirus ab und davon, wie resistent die Bevölkerung dagegen bereits ist.

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