30.07.2010
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Stand: 27.08.2009
Während die meisten Frauen bereitwillig und regelmäßig zur gynäkologischen Vorsorge gehen, suchen die meisten Männer den Urologen erst dann auf, wenn irgendetwas nicht mehr funktioniert. Warum eigentlich?
Bildunterschrift: Über eine Prostata-Erkrankung öffentlich zu sprechen ist für viele Männer tabu.
Prof. Gschwend: "Männer sind grundsätzlich viel weniger gesundheitsbewusst als Frauen. Bis vor ein paar Jahren haben nur knapp 15 Prozent aller Männer an entsprechenden Früherkennungsuntersuchungen teilgenommen. Heute liegen die Zahlen etwas höher. Nach meiner persönlichen Erfahrung drücken sich Männer vor einer solchen Untersuchung mit großem Erfolg und verdrängen lange, dass sich an ihrem Körper aber auch an ihrer Prostata etwas verändert. Die Männer, die zu uns kommen, werden außerdem häufig von ihren Frauen geschickt - so nach dem Motto: 'Du bist in dem entsprechenden Alter, also geh doch mal!' Wir beobachten jedes Jahr ganz typische Wellen: Nach dem großen Urlaub, nach Weihnachten und nach Ostern kommen diese Männer dann in unsere Sprechstunden, um ihr Versprechen einzulösen. Ab 45 Jahren ist eine Vorsorgeuntersuchung übrigens kostenlos."
"Scham spielt durchaus eine Rolle", meint der Urologe Prof. Gschwend: "Dass bei einer urologischen Untersuchung natürlich auch das äußere Genital untersucht wird, ist für viele Männer ein Tabubruch. Viele befürchten auch, dass dann vielleicht Fragen nach ihrem Sexualleben gestellt werden könnten. Darüber zu reden, das geht vielen Männern zu weit."
Bildunterschrift: Männer mit der größten Bildung wissen oft am wenigsten über ihren Körper Bescheid.
Prof. Gschwend: "Sie wissen meist nicht so gut Bescheid! Das gilt für alle Schichten und hat nichts mit akademischer Bildung zu tun. Ich habe Patienten in hochdotierten Positionen, die sich nie Gedanken darüber gemacht haben, für was der männliche Organismus eine Prostata braucht. Ich habe aber auch Patienten mit ganz einfacher Schulbildung, die Informationsprospekte gelesen haben und sich wirklich gut auskennen."
Prof. Gschwend : "Sehr häufig! Aber wenn die Beschwerden durch ein Karzinom erst da sind, ist es oft schon sehr spät. Eine regelmäßige differenzierte Vorsorge und Früherkennung sind deshalb überaus wichtig. Heute gibt es wirklich keinen Grund mehr, einen fortgeschrittenen Prostatakrebs zu diagnostizieren!" Durch Abtasten, Ultraschall und die Bestimmung eines speziellen Blutwertes, des PSA-Wertes (siehe "Krebsdiagnose"), können frühe, ungünstige Entwicklungen ganz eindeutig erkannt und behandelt werden. Dieses Eingreifen ist zu einem Zeitpunkt möglich, an dem der Patient noch lange nichts spürt und noch keine Schmerzen hat.
Bildunterschrift: Ob Sex vor Prostataleiden schützt, ist bisher nicht erwiesen.
Prof. Gschwend: "Diese Aussage hört man immer wieder, aber sie lässt sich nicht eindeutig bestätigen. Dennoch legen epidemiologische Daten nahe, dass Männer, die im Alter eher weniger Prostatakrebs entwickeln, früh mit ihrem Sexualleben begonnen haben. Wie handfest dieser Schluss wirklich ist, lässt sich nicht beurteilen. Es gibt keine verlässlichen Daten, die beweisen, dass häufiger Verkehr, oder besser Samenerguss vor einer gutartigen Prostatavergrößerung oder vor Prostatakrebs schützt. Sicher ist jedoch, dass sexuelle Aktivität in jeder Altergruppe eher nützlich als schädlich ist."