10.02.2010
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Stand: 28.04.2009
Länger, schwerer, weiter: vom Rekordfieber werden auch Maibäume nicht verschont - einige Superlative haben wir hier notiert. Den Titel "umstrittenster Maibaum des Jahres" beanspruchte letztes Jahr wohl das Brauchtumsstangerl auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz im Münchner Glockenbachviertel. "Integrationsmaibaum" nannten ihn dagegen seine Gärtner. Kurz: Er war der "erste schwule Maibaum der Welt".
Ort mit Szene und Geschichte
Der Ort bot sich an: Das Glockenbachviertel ist ein Dorado der schwul-lesbischen Szene. Karl Heinrich Ulrichs, Namensgeber des Platzes, hat sich durch ein so frühes wie spektakuläres Outing in die Geschichtsbücher eingetragen: 1867 - der Begriff "Homosexualität" war noch nicht erfunden - forderte er in einer von Tumulten begleiteten Rede auf dem Deutschen Juristentag in München generelle Straffreiheit für gleichgeschlechtliche Beziehungen. Es sollte 102 Jahre dauern, bis er Erfolg hatte.
Haben Bäume ein Geschlecht?
2008 ging es dem Verein Sub e.V. nur um gemeinsames Feiern. Dafür stiftete das Gasthaus "Deutsche Eiche" - seit Fassbinders Zeiten beliebter Treffpunkt der Szene - einen zwölf Meter langen Maibaum.
Bildunterschrift: Maibaum-Männer ...
Ohne Missverständnisse ging das allerdings nicht: Schon im Bezirksausschuss prallten die Meinungen aneinander: Können Maibäume schwul sein? Plötzlich nahm das uralte Fruchtbarkeitssymbol wieder bedrohlich phallische Form an.
Vielfalt, nicht Provokation
Bildunterschrift: ... und Maibaum-Frauen
Nicht jedem Bewohner gefällt die Entwicklung des Viertels zum schwulen Vorzeige-Kiez. Die Initiatoren wollten aber in einer "Gemeinschaftsaktion" die "Vielfalt der Lebensstile" demonstrieren. Optisch folgte der von den Künstlern Michael Borio und Robert C. Rore gestaltete Maibaum-Setzling durchaus dem Brauch: Alljährlich soll der Baum um einige Quersprossen wachsen.
Die ersten Motive sind bayerisch bunt und durchaus "jugendfrei". Selbst in Zwiesel gab es schon Schrägeres: 2007 wurde hier ein aus zwei Stämmen zusammengebauter deutsch-tschechischer Freundschaftsbaum aufgestellt. Das untere Ende des Baumes mit einer Länge von 30 Metern stammte aus dem Stadtwald von Zwiesel, die oberen 15 Meter wurden aus dem Böhmerwald importiert.
Bildunterschrift: 2004: Der Zugspitz-Maibaum kehrt zurück.
Der Höchste: Maibaum-Trabbel auf der Zugspitze
Schon der Baum an sich ist eine Schlagzeile wert: Von seinem Standort aus überragt der erstmals 1996 aufgestellte Maibaum auf der Zugspitze sämtliche Artgenosen. Vier Jahre später wurde Deutschlands höchster Gipfel Schauplatz eines ruchlosen Raubs: Eine vierköpfige Seniorenbande kidnappte den 20 Meter langen und 800 Kilo schweren Rekordhalter 2004 per Hubschrauber. Für Stephanie Vogel, Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn zunächst "völlig mysteriös". Nach zähen Verhandlungen - die Senioren wollten zehn Saisonkarten für das Skigebiet und freie Kost im Selbstbedienungsrestaurant - einigten sich die Verantwortlichen auf 150 Brotzeiten und 100 Halbe Bier jenseits der Baumgrenze.
Der Längste: Der 14-Tonner von Eicherloh
Der höchste Maibaum wurde 2005 in Eicherloh im Landkreis Erding bei München errichtet. 130 Jahre stand der Baum im Wald und wuchs 50,35 Meter in die Höhe, bevor er umgelegt wurde. Mit einem Kran wurde das 14 Tonnen schwere Gewächs in der Ortsmitte aufgestellt. Die Gemeinde hat sich damit einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde gesichert.
Der Europäischste: Bayern grüßt Brüssel
Auch nominiert in der Kategorie "volkstümlichster PR-Coup": Markus Söder, seinerzeit Bayerns Europaminister von der CSU und als Franke von jeher in der Maibaum-Diaspora zuhause, ließ einen Maibaum vor Bayerns EU-Vertretung in Brüssel positionieren. Peinlich nur: Das 14 Meter lange, im Chiemgau geschlagene Stangerl wurde noch vor dem Aufstellen von einem Radiosender geklaut. Ein Politikum ist der Baum ohnehin: Schließlich steht der Maibaum auch für Selbstbewusstsein und Selbständigkeit der Gemeinden - Dinge, die in Brüssel nicht immer ihren Platz finden.