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31.07.2010


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Dialekte in Bayern "Vui zvui Gfui" in Ober- und Niederbayern

Das Bairische unterteilt sich ins Nord-, Süd- und Mittelbairische: Nordbairisch ist die Mundart der Oberpfälzer, Mittelbairisch hört man im Isar-Donau-Raum und Südbairisch in den Alpengebieten. Ober- und Niederbayern gehören zum mittelbairischen Sprachraum, der sich entlang der Achse München - Wien erstreckt.

Stand: 14.12.2009

Lüftlmalerei an Hausfassade | picture-alliance/dpa

Als gutes Beispiel für den grenzüberschreitenden Dialekt dient Burghausen, das durch eine Salzachbrücke mit Österreich verbunden ist. Seit das Nachbarland zur EU gehört, ist die politische Grenze durchlässig geworden. Sprachlich gesehen hat es dort noch nie eine gegeben. Viele halten die ober- und niederbairische Mundart, das Mittelbairische, sogar für das Bairische schlechthin. Kein Wunder: Der mittelbairische Sprachraum ist der größte unter den bayerischen Dialektgebieten.

Oachkatzlschwoaf

Eichhörnchen - mit Schweif | Bild: BR

Für Fremde ein Zungenbrecher ohnegleichen, für Einheimische eine der leichtesten Übungen: die bayerische Übersetzung von "Schweif des Eichhörnchens". Erfolgsrezept ist der korrekte Transfer von "ei" in den bairischen Zwielaut "oa". Von einem Zwielaut oder Diphthong spricht man, wenn zwei Vokale direkt aufeinander folgen.

Die Diphthonge gehen auf alt- und mittelhochdeutsche Lautverhältnisse zurück, die das Bairische im Gegensatz zur Standardsprache besser bewahrt oder weiterentwickelt hat. So wurde das mittelhochdeutsche "ei" im Bairischen zum "oa". "Steine" sind "Stoana", die "Leiter" heißt "Loata" usw. Doch existieren auch Abweichungen davon. So legen die Hühner nicht "oans, zwoa, droa", sondern "oans, zwoa, drei Oa."

Rekordverdächtig

Die deutsche Standardsprache besitzt nur die drei Diphtonge "ei", "eu" und "au", die bairische Mundart 24.

Was willkürlich erscheint, ist sprachgeschichtlich konsequent: Im späten Mittelalter wurde das alte lange "i" zu "ei" (Beispiel: "wis" zu "weiß"). Damit rückte im Bairischen das alte "ei" weiter zu "oa".

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Dialekte in Bayern: Ober- und Niederbayern: A-KlasseAn der Aussprache des "a" kann man erkennen, dass die Zugansage von einer Sprecherin aus Bayern kommt.  

Der A-, H-Effekt

Oma und Enkelin sitzen an einem Tisch | Bild: BR

Bildunterschrift: Die Oma kann sie noch, die Enkelin kaum mehr: die A-, H-Laute

Eine markante Eigenheit des Mittelbairischen ist die Aussprache des "a": Bei einheimischen Begriffen (Wagen) ist der Laut dunkler, bei fremden (Klasse) heller. Besondere Verwendung findet auch das "h": Statt "wir sind" sagen die Oberbayern "mir han". Kennzeichen für den bairischen Dialekt ist zudem ein helles "a" in Wörtern, die in der Standardsprache e- oder ä-Laute aufweisen. So heißt der Rettich auf Bairisch "Radi" und das Mädchen "Madl".

L-Vokalisierung

Weiteres Charakeristikum des Mittelbairischen ist die so genannte L-Vokalisierung: "Geld" wird zu "Geid" oder "Mehl" zu "Mei". Das Mittelbairische ist also durch diverse Gesetzmäßigkeiten geregelt. Dennoch haben sich aber auch viele regionale Ausprägungen eingeschliffen.

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Dialekte in Bayern: Ober- und Niederbayern: Holz vor der HütteWie sagt man zu einer großen Oberweite? Vorschläge aus verschiedenen oberbayerischen Gegenden. 

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Dialekte in Bayern: Ober- und Niederbayern: Vui zvui GfuiViel zu viel Gefühl - und andere Hörproben zur L-Vokalisierung: Aus Geld wird zum Beispiel Geid. 

München: "Mundart in 60 Jahren ausgestorben"

Mittelbairisch - schön, aber bald tot? Der Sprachforscher Bernhard Stör gibt dem Dialekt in München noch 60 Jahre. Schuld am Schwund des Dialekts sind seiner Ansicht nach vor allem die moderne Mobilität und der Einfluss der Medien. Kinder Bairisch sprechender Eltern verständigen sich seinen Untersuchungen zufolge untereinander kaum noch in ihrer Muttersprache. So breche in München der Dialekt heutzutage in der Altersgruppe der 25- bis 30-Jährigen ab.

Tadel für Dialekt

Florian | Bild: dpa

Bildunterschrift: Florian darf bairisch reden und bekommt trotzdem kein schlechtes Zeugnis

In ländlichen Gebieten gibt es in dieser Hinsicht weniger Probleme. Dafür können ganz andere auftauchen - so geschehen 1999 im oberbayerischen Otterfing: Der damals achtjährige Schüler Florian wird sich vermutlich ewig an sein Abschlusszeugnis erinnern. Darin hatte ihm seine Lehrerin attestiert, er habe "Probleme, sich verständlich zu machen, da er zu Hause nur bairisch rede." Die Schule überprüfte allerdings die Zeugnisbemerkung und entschied "im Einvernehmen mit der Lehrkraft", den letzten Halbsatz zu streichen.

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Dialekte in Bayern: Ober- und Niederbayern: Bayerisch-österreichische VerständigungKein Problem - wie die beiden Herren aus Burghausen und dem benachbarten Ach demonstrieren.