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31.07.2010


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Königreich Bayern Anfänge: Wie die Wittelsbacher zur Krone kamen

Stand: 19.02.2010

Die Krone der Wittelsbacher, im Hintergrund das Rautenmuster der Bayernfahne | BR, picture-alliance/dpa

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hätten nur wenige gewettet, dass Bayern seine bis dahin besten Jahre als Königreich und dritte Macht im deutschen Reich noch bevorstünden. Denn kaum hat Herzog Max IV. Joseph sein Kurfürstentum übernommen, muss er im Sommer 1800 fluchtartig und "mit etlichen dreißig Kutschen" ins Amberger Exil. Im zweiten Koalitionskrieg haben französische Truppen Teile Bayerns besetzt: "Nous sommes les maîtres ici" – wir sind die Herren hier.

Ungeliebte französische Besatzung

Nachgestellte Schlacht bei Austerlitz: Soldaten reiten auf Pferden durch den Schnee | Bild: dpa

Bildunterschrift: Auch in Bayern sind Napoleons Truppen zwischen 1800 und 1809 Stammgäste.

Die Besatzer – viele seit Monaten ohne Sold – nehmen sich was sie brauchen und brauchen alles: Brot und Pferde, Zaumzeug, Mädchen, Geld und Gold, Bilder, Bier und Quartier. Die wehrfähigen bayerischen Männer stecken derweilen fern von Haus und Hof im Soldatenrock – und der ist obendrein zerschlissen. Vom letzten Krieg her gibt es noch Zerstörung und Schulden genug; auch müssen neben den eigenen Truppen die des Koalitionspartners Österreich versorgt werden. In München mischt sich die Bedrängnis mit "revolutionärer Gärung": Einwohner aller Schichten liebäugeln mit dem Gedanken an eine Republik.

Seitenwechsel mit Fortüne

Napoleon Bonaparte | Bild: dpa

Bildunterschrift: Napoleon Bonaparte

Die blutige Schlacht bei Hohenlinden bringt am 3. Dezember Wagenladungen voll Toter und Verwundeter in die Stadt - und die entscheidende Wende. Nach dem Frieden von Luneville ist Napoleon auf dem Weg zum Beherrscher Europas, Bayern sein neuester Bundesgenosse. Ein doppelter Glücksfall in der Geschichte der Wittelsbacher: Die Sympathie des in Frankreich erzogenen Pfälzers für die napoleonischen Ideen macht den Bayernherzog rechtzeitig zum Verbündeten des korsischen Eroberers, um mit dem Ende des Deutschen Reichs von Napoleons Gnaden Maximilian I. erster König von Bayern zu werden. Die "teutsche" Gesinnung seines Sohnes Ludwig bringt das Land punktgenau auf die Seite Österreichs und Preußens zurück, um ihm das Königtum zu erhalten.

König am Gängelband 

Mit dem Morgen des 5. Januars 1806 ist Maximilian König eines nach innen geschlossenen, um Salzburg und Tirol erweiterten Territoriums. Der Preis für Status- und Landgewinne ist hoch: eine Million Gulden an Kontributionen, die Hand von Max' Tochter Auguste für Napoleons Sohn Eugen Beauharnais - und die Leben unzähliger Bayern: Allein 30.000 ziehen mit Napoleon nach Russland und in den Tod.

Krone auf Pump

Maximilian IV. Joseph, später Max I. | Bild: dpa

Bildunterschrift: Maximilian IV. Joseph wird König Maximilian I.

Dafür gibt es noch nicht mal eine richtige Krönung: Zwar geplant, findet sie weder damals noch später statt. Erst sollte, genau nach französischem Vorbild, hergestellt werden, was man für ein richtiges Königtum brauchte: Krönungsmantel, Krone, Szepter, Reichs-Apfel, Reichs-Siegel, Thronsessel - alles auf Ratenzahlung. Die Hofhistoriographen bemühen sich umso mehr um den Nachweis, dass Bayern bereits zur Zeit der Agilolfinger Königreich gewesen sei und nun nur wieder in angestammtes Recht eingesetzt wurde.

Königsproklamation in Tölz

"Am 6. Jänner morgens 5 Uhr verkündeten rings auf den Tölz umkränzenden Hügeln ... Pöller das auf diesen Tag dem Orte zubereitete Fest. - Um 9 Uhr wurde das Zeichen zur wirklichen Ausrufung durch wiederholtes Abfeuern der Pöller und das Geläute aller Glocken gegeben. - Auf dem Marktplatze hatte sich indeß die bürgerlich schön uniformierte Miliz aufgestellt, und unter beständiger Musik die feyerliche Verkündung erwartet. Im Rathshause war der ganze Rath und die Geistlichkeit versammelt ... Nun wurde die Proklamation während einer feyerlichen Stille von dem königlichen Landgerichtsaktuar eröfnet. Dieselbe ward aber kaum abgelesen, als ein unaufhörliches Vivatrufen ... weithin die Lüfte erfüllte."

Weiter mit: Max I. - Bürgerkönig und nüchterner Erneuerer
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