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09.09.2010


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50 Jahre Kernenergie Drei Standorte liefern Bayerns Atomstrom

Wie kein anders Bundesland hängt Bayern in seiner Stromversorgung von der Kernkraft ab. Zwei Drittel der elektrischen Energie werden in Atomkraftwerken erzeugt im gesamten Bundesgebiet ist es nur ein Drittel. Die Kraftwerke, die diesen Strom erzeugen, gingen zwischen 1979 und 1988 ans Netz. Die Weichen in Richtung Atomkraft-Land wurden aber schon viel früher gestellt, im Jahr 1957.

Von Stefan Primbs
Stand: 27.09.2008

Kühltürme | Bild: dpa

Bild vergrößern Bildunterschrift: Die Kühltürme von Grafenrheinfeld

 Damals löste Hanns Seidel (CSU) als Ministerpräsident die „Viererkoalition“ ab; er kündigte sogleich an, "den Einsatz der Kernenergie zu einem Schwerpunkt“ seiner Arbeit zu machen. Bis dahin war es vor allem die Wasserkraft gewesen, die den Strom für Bayern lieferte. Doch mittlerweile waren die wirtschaftlichsten Talsperren schon gebaut, mit Wasserkraft war der vorauszusehende Energiehunger von Industrie und Haushalten nicht mehr zu decken. Fossile Brennstoffe hat Bayern kaum. Also setzte die Politik auf importiertes Erdöl, Erdgas und eben: Kernenergie. 

Energiehunger im Wirtschaftswunderland

Karte mit Standorten | Bild: BR

Bild vergrößern Bildunterschrift: Die bayerischen Standorte: Grafenrheinfeld, Ohu (Isar), Gundremmingen

Vorangetrieben wurde die bayerische Energiepolitik vom bayerischen Wirtschaftsminister, dem Oberpfälzer Otto Schedl, der das Amt von 1957 bis 1970 innehatte. Sein Ziel war es, dafür zu sorgen, dass die Energiekosten in Bayern nicht höher stiegen als im Bundesdurchschnitt, um die Industrie im Land zu halten. Dass die ersten Bundes-Atomminister, Franz-Josef Strauß und Siegfried Balke, von der bayerischen CSU gestellt wurden, gab den bayerischen Atomplänen Rückhalt im Bund. Der wachsende Energieverbrauch schien den Atomkraft-Fans zunächst Recht zu geben: Der Stromverbrauch in Bayern stieg von 16 Milliarden Kilowattstunden (kWh) im Jahr 1960 auf 40 Milliarden kWh im Jahr 1972.

Literatur-Tipp

Den wirtschaftlichen Aufbau Bayerns in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg behandelt der wissenschaftliche Sammelband "Bayern im Bund, Band 1: Die Erschließung des Landes 1949 bis 1973", herausgegeben von Thomas Schlemmer und Hans Woller, R. Oldenbourg Verlag 2001. 

So wurde das erste deutsche Atomkraftwerk in Bayern errichtet und zwar bei Großwelzheim, einem Ortsteil der Gemeinde Karlstein am Main (Landkreis Aschaffenburg). Allerdings benannte man es nach dem Nachbarort in „Versuchskraftwerk Kahl“. Die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) ließen es von der AEG von 1958 bis 1961 bauen. Die Bayernwerk AG war noch außen vor. In diesem Versuchskraftwerk sammelte die deutsche Energiewirtschaft erste Erfahrungen mit dem neuen Energieträger.

Zuschüsse für die Atomwirtschaft

Panoramaaufnahme des Versuch-Atomkraftwerkes hinter Hochspannungsleitungen | Bild: dpa

Bild vergrößern Bildunterschrift: In Kahl wird das erste deutsche Atomkraftwerk bis Ende 2008 abgebaut.

Sie fanden Eingang beim Bau des ersten deutschen Atom-Großkraftwerks im bayerisch-schwäbischen Gundremmingen mit 250 Megawatt (MW) Leistung. RWE und Bayernwerk ließen es nun gemeinsam von der AEG (mit General Electric) errichten – wobei zwei Drittel der 345 Millionen Mark, die der Bau kostete, von Zuschüssen gedeckt waren. Auch bezuschusste der Staat den Preis des Stromes selbst, sodass er mit Kohlestrom konkurrenzfähig wurde. Beim zweiten bayerischen Kernkraftprojekt, Niederaichbach, war die Firma Siemens treibende Kraft. Niederaichbach war eine Versuchsanlage für einen neuen Reaktortypen, die nur wenige Tage in Betrieb war. In Sichtweite liegt der Standort für die später gebauten Reaktoren Isar I und Isar II.

Beim Kernkraftwerk Grafenrheinfeld in Unterfranken zeigte sich bereits, wie sich Widerstand aus der Bevölkerung auswirken kann. Mit dem Bau war 1974 begonnen worden. Klagen - unter anderem von der Stadt Schweinfurt - verzögerten die Inbetriebnahme bis 1982.

Der Ausstieg beginnt (voraussichtlich) mit Isar I

Ein Drehmanipulator zum fernbedienten Abbau radioaktiv strahlender Teile im Reaktorinneren des Kernkraftwerkes Niederaichbach | Bild: dpa

Bild vergrößern Bildunterschrift: In Niederaichbach wurde zum ersten Mal ein Atomkraftwerk abgetragen.

Auf die drei Standorte Niederaichbach/Ohu bei Landshut, Gundremmingen und Grafenrheinfeld konzentrieren sich bis heute die bayerischen Kraftwerke. Pläne für weitere Mailer an anderen Standorten – etwa im niederbayerischen Pleinting - wurden im Jahr 2000 offiziell aufgegeben.

Für die bereits bestehenden Anlagen ist im Rahmen des Atomausstiegs jeweils eine Laufzeit festgelegt, nach der sie abgeschaltet werden müssen. Am frühesten trifft es das älteste der noch laufenden Atomkraftwerke Bayerns, Isar I. Es wird – wenn alles läuft wie vorgesehen – im Jahr 2011 vom Netz gehen. Kritiker fordern ohnehin längst seine Abschaltung, weil es ihrer Meinung nach nicht darauf ausgelegt ist, einem herabstürzenden Flugzeug standzuhalten – und bei Abstürzen oder Terroranschlägen zum Sicherheitsrisiko werden kann. 

Die bayerischen Kernkraftwerke im Überblick:

 Kraftwerk ans Netz vom Netz Bruttoleistung
Kahl (Versuchsanlage) 1960 1985 16 MW
Gundremmingen A 1967 1977 250 MW
Großwelzheim 1970 1971 25 MW
Niederaichbach 1973 1974 106 MW
Isar I 1979 (2011) 912 MW
Grafenrheinfeld 1982 (2014) 1.345 MW
Gundremmingen B 1984 (2016) 1.344 MW
Gundremmingen C 1985 (2017) 1.344 MW
Isar II 1988 (2020) 1.475 MW


 

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