12.03.2010
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Neuzeitliche Bestattungspraktiken haben die Trauerkultur verändert. Nicht so im Johannisfriedhof zu Nürnberg, wo nur althergebrachte Grabtafeln zugelassen sind. Thomas Haydn ist der einzige Handwerker in Deutschland, der sich auf Bronzegrabtafeln spezialisiert hat.
Stand: 20.11.2009
Anonyme Bestattungen in Friedwäldern oder auf Hoher See, Video-Grabsteine mit Flachbildschirmen anstelle von Grabtafeln oder die Verarbeitung der Asche des Verstorbenen zu einem Schmuckstück: Der Friedhof der Moderne ist ein Friedhof ohne die Toten.
Bildunterschrift: Der Johannisfriedhof in Nürnberg
Auf dem Johannisfriedhof hingegen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Weder Marmor noch Gips finden hier Zutritt, dafür sorgen die Vorschriften für die Nürnberger Traditionsfriedhöfe. Danach sind nur althergebrachte Grabtafeln zugelassen.
Der gelernte Stahlschneider und Graveur entwirft die Epitaphien zunächst am Zeichenbrett und modelliert sie anschließend in Plastilin. Danach lässt er die Epitaphien in der Kunstgießerei Lenz in Bronze gießen.
Solche Epitaphien fertigt zum Beispiel der gelernte Stahlschneider und Graveur Thomas Haydn. Hierzulande ist er der einzige Handwerker, der sich auf Bronzegrabtafeln spezialisiert hat. Haydn hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Unvorstellbarkeit des Todes ein Antlitz zu geben. Dabei sind es oft die letzten Dinge eines Menschen, die ihm den Zugang zum Wesen der Verstorbenen eröffnen - zum Beispiel Briefe und Bilder, ein letztes Foto oder Erzählungen der Hinterbliebenen.
Thomas Haydn kam vor 18 Jahren aus St. Pölten in Niederösterreich nach Nürnberg, seine heutige Wahlheimat.
Bildunterschrift: Wenn Thomas Haydn keine Grabtafeln fertigt, komponiert und singt er Lieder.
Er arbeitete in der Lenzschen Gießerei, bevor er sich selbständig machte. Darüberhinaus ist Haydn auch Liedermacher und Chansonnier. In der Tradition von Georg Kreisler, André Heller und Georg Danzer singt er im Nachtschwärmercafé des Stadttheaters Fürth Lieder über das Sterben und den Tod. Mal traurig, mal spöttisch, makaber oder poetisch - er singt, wie es ihm eben in die österreichische Wiege gelegt worden ist. "Für mi," sagt Tom Haydn, "ist das Liedermachen ein Selbstschutz und ein Ventil für die Trauergeschichten, die ich bei meiner Arbeit zu hören bekomme, und die mich manchmal tief berühren."
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