09.02.2010
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Eigentlich ist die Region Kitzingen mit ihrem trockenen und warmen Klima berühmt für guten Wein. Jetzt aber macht der Landkreis andere Schlagzeilen: Gen-Mais soll dort auf etwa 90 Hektar angebaut werden. Das warme Klima begünstigt den Maiszünsler, einen gefürchteten Schädling in Mais-Monokulturen, den einige Landwirte nun mit gentechnisch veränderten, resistenten Maissorten in den Griff bekommen wollen.
Ein Beitrag von Norbert Haberger
Stand: 25.04.2008
In Deutschland wird Gen-Mais hauptsächlich in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Bayern angepflanzt. In den meisten anderen Bundesländern gibt es nur kleinere Versuchsflächen.
Kitzingen ist Bayerns einziger Landkreis, in dem Landwirte die genveränderte und ökologisch umstrittene Mais-Sorte Mon810 des Saatgut-Konzerns Monsanto anbauen wollen. Hinzu kommen noch Versuchsfelder mit Gen-Mais der Firma Pioneer, die diese Woche von den Behörden genehmigt wurden.
Drei Landwirte sind es, die Mon810 unbedingt anbauen wollen. Die meisten Nachbarn möchten diese Pflanzen aber nicht in der Nähe haben, trotz der gesetzlich geregelten Abstandsflächen. Sie fürchten eine Auskreuzung durch Pollenflug. Und viele fürchten unkontrollierbare Folgen für Bodenorganismen und Ökologie.
Bildunterschrift: Durch Gen-Mais gefährdet?
Im April 2007 hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz den Verkauf von Mon810 nämlich verboten. Studien hatten gezeigt, dass die Genpflanze, die ein Gift gegen den Maiszünsler enthält, auch für Bienen und Schmetterlinge schädlich sein kann. Im Dezember 2007 hob das Bundesamt das Verbot wieder auf: Monsanto habe alle Auflagen erfüllt.
Doch jetzt stellten Naturschützer und Juristen aus Tübingen fest, dass das Bundesamt schlampig geprüft hatte. Die Auflage, verschiedene Wissenschaftler zu kontaktieren, wurde nicht erfüllt. Eine Klage beim Verwaltungsgericht Braunschweig soll nun klären, ob der Verkauf von Mon810 in Deutschland wieder verboten wird. In Frankreich und fünf weiteren europäischen Staaten, darf er zurzeit nicht ausgebracht werden.
Der Gen-Mais hat in manchen Ortschaften im Landkreis Kitzingen zu heftigem Streit geführt. Alois Kraus, Kreisobmann des Bauernverbands in Kitzingen beobachtet die Stimmung mit Sorge. Innerhalb der Dörfer gebe es schon Feindschaften, das reiche bis in die Schulen, in Vereine, in die Kirche, klagt er. Er hatte den Landwirten empfohlen, auf Gen-Mais zu verzichten. Mehr kann er allerdings nicht tun.
Bildunterschrift: Wird der Maiszünsler überschätzt?
Landwirt Hans Friedrich Dürr aus Mainbernheim hält die Angst vor dem Maiszünsler für übertrieben. Sein Rezept: Die Pflanzen nach der Ernte sauber einpflügen, dann erstickt der Maiszünsler. Er habe noch nie gegen den Schädling gespritzt, und habe bisher nur minimale Ernteausfälle gehabt.
Lokalpolitiker, Imker, Biolandwirte und Naturschützer wollen den Anbau von Gen-Mais nicht einfach hinnehmen. Sie haben sich zu einem Aktionsbündnis gegen die Gentechnik im Landkreis zusammengeschlossen. Sie fürchten auch, dass der Anbau von Gen-Mais eine Art Türöffner für die generelle Nutzung der grünen Gentechnik wird.
Bildunterschrift: Bringt der Anbau von Gen-Mais auf Dauer etwas?
Das Argument der Gentechnik-Befürworter, dass die resistenten Sorten auf Dauer weniger Insektizide bedeuten, scheint ihnen jedenfalls zweifelhaft. Irgendwann könnte der Maiszünsler resistent werden und auch die Gen-Pflanzen befallen. Bei gentechnisch veränderter Baumwolle wurden in den USA bereits resistente Schädlinge festgestellt.
Aktionsbündnis Gentechnikfrei in Kitzingen
Hans Plate, Sprecher
Tel.: 09326 / 902223
Bayerischer Bauernverband
Geschäftsstelle Kitzingen
Tel.: 09321 / 13460
Standortregister beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
194.95.226.237/stareg_web/showflaechen.do
Einzeichnung der Flächen in Bayern durch Greenpeace
www.genhofer.de/