31.07.2010
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Gibt es bei uns bald Klonfleisch zu kaufen? Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat es als gesundheitlich unbedenklich eingestuft. So sehen das auch andere Experten. Dennoch gibt es Bedenken. Vor allem aus ethischer Sicht.
Ein Beitrag von Doris Fenske
Stand: 30.10.2009
Vor kurzem hat man sich im Bayerischen Landtag mit dem Thema 'Klonfleisch' beschäftigt. Die Opposition wollte es verbieten, doch die Regierung hat abgelehnt. Mit der Begründung: Der Verbraucher solle entscheiden, ob er dieses Fleisch wolle oder nicht. Stellt sich dem Verbraucher die Frage, was Klonfleisch ist.
Bildunterschrift: Die Eizelle wird entkernt, um das Erbmaterial des Ebers einzuführen.
An der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) werden Tiere geklont. Zu Forschungszwecken. Beispiel Schwein: Eizellen aus den Eierstöcken von Schlachttieren werden mit einer Pipette angestochen, dort wo der Zellkern, also das Erbmaterial vermutet wird. Dieses Erbmaterial wird abgesaugt. Die Eizellen sind entkernt, fremdes Erbgut kann eingeschleust werden. Dafür verwenden die Forscher Zellen eines Ebers, allerdings keine Samenzellen, sondern solche, die aus der Haut gewonnen wurden. Die werden in die entkernte Eizelle injiziert. Das Erbmaterial dieser Eizelle, die in einer Sau zum Tier heranwachsen soll, ist also nicht - wie bei einer normalen Befruchtung - eine Mischung aus dem Erbmaterial der Mutter und des Vaters, sondern entspricht rein dem Erbmaterial des Vaters.
Bildunterschrift: Nicht alle Embryonen werden von der "Leihmutter" gut angenommen.
Bei Klonfleisch geht es allerdings nicht um das Fleisch dieser geklonten Tiere, sondern um das Fleisch ihrer Nachkommen. Die Klontiere selbst wären viel zu wertvoll, um geschlachtet zu werden. Denn das Klonen verläuft keineswegs reibungslos. Das kann Professor Dr. Eckhard Wolf von der LMU bestätigen, einer der renommiertesten deutschen Klon- und Genforscher: In einer kürzlich veröffentlichten Arbeit hätten sie festgestellt, dass die frühe Wechselwirkung zwischen Embryo und Muttertier beim Klonen problematisch sein kann. Die mütterliche Umgebung, also die Gebärmutter, reagiere auf einen geklonten Embryo anders als auf einen Embryo der durch Befruchtung entstanden ist.
Bildunterschrift: Uschi, das erste Klonrind Deutschlands, ist ein gesundes Kalb geworden. Dieses Glück haben viele Klontiere nicht.
Doch selbst wenn der geklonte Embryo anwächst und ausgetragen wird: Nicht selten kommen Tiere zur Welt, die nicht lebensfähig sind. Gravierende Krankheiten werden bei Klontieren häufig beobachtet, oder schwere Missbildungen. Nur etwa zehn Prozent der geklonten und auf ein Empfängertier übertragenen Rinderembryonen kommen als lebendes Kalb zur Welt. Bei anderen Tierarten sei dieser Prozentsatz sogar noch geringer, berichtet Prof. Dr. Eckhard Wolf. Klonen solle man daher nur, wenn es einen vernünftigen Grund gebe, meint der Forscher, der nicht für die Lebensmittelproduktion, sondern für die biomedizinische Forschung klont: Und so ein Grund könne durchaus die Vermehrung eines wichtigen Besamungsbullen sein.
Bildunterschrift: Moderne Tierzucht ist ein heikles Thema.
Doch wollen und sollen wir tatsächlich den hohen Verschleiß an Leben und das Leiden von Tieren hinnehmen - für ein Stück Fleisch? Wir befragen dazu den Landwirt und Philosophen Herwig Grimm vom Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihm geht es um mehr als das Leid der Tiere.
Bildunterschrift: Herwig Grimm würde kein Klonfleisch essen. Gesundheitliche Bedenken sind nicht der Grund.
"Aus einer tierethischen Perspektive gesprochen ist es ganz klar, dass hier Tierleid verursacht wird und das in einer ethischen oder moralischen Hinsicht problematisch ist. Wir haben immer in der Landwirtschaft einen Haufen tierethisch problematischer Aspekte, was das Leiden betrifft. Aber in diesem Fall geht die Diskussion darüber hinaus. Hier stellen sich die Fragen der Integrität von Tieren, der Würde der Kreatur, der Mitgeschöpflichkeit und das geht über das Leidvermeidungskriterium hinaus."
Wir haben eine Verantwortung für unsere Nutztiere. Wann ist die Grenze überschritten, was wir ihnen zumuten dürfen? Kann man Klonen für die Produktion von Nahrungsmitteln tatsächlich rechtfertigen? Wir fragen Prof. Wolf, was wir aus Verbrauchersicht überhaupt davon hätten.
"Sie hätten davon, dass sozusagen der Zuchtfortschritt sich ganz klar in die Richtung entwickelt, die die Verbraucher wünschen. Durch das Klonen ist es eben möglich, besonders gut veranlagte Tiere zu vermehren, die stärker in die Zucht einzubringen und damit schneller voranzukommen."
Schnellerer Zuchtfortschritt also. Doch das bedeutet gleichzeitig den Verlust von genetischer Vielfalt. Schon jetzt hat die moderne Tierzucht zu Inzucht geführt.
"Wir hatten vor... gut hundert Jahren noch enorm viele Rassen und ganz wenige Individuen pro Rasse. Mittlerweile sind wir an einem Punkt, wo wir ganz wenige Rassen haben und sehr viele Tiere davon. Und der nächste Schritt, die Klonierung wäre natürlich der radikale Biodiversitätsverlust, weil man sagen muss, wir haben de facto nur noch ganz ähnliche Tiere einer Rasse, also die Individuen sind dann auch gleich."
Vor 13 Jahren wurde Dolly geklont. Und heute? Klonfleisch zu vermarkten, ist in den USA seit letztem Jahr erlaubt. Doch ob überhaupt und wie viel davon in den USA bisher in den Handel gekommen ist oder vielleicht sogar nach Europa exportiert worden ist, lässt sich schwer feststellen.
"Es ist ganz klar so, dass das Klonen in USA, in Brasilien viel, viel häufiger eingesetzt wird als bei uns. Es gibt weltweit derzeit etwa schon 5.000 geklonte Rinder, ein Teil davon ist natürlich für die Besamung gedacht. Aber nach meiner Kenntnis sind auch dort die Regelungen noch nicht genau getroffen, so dass im Moment vermutlich noch keine Klon-Bullen tatsächlich im Besamungseinsatz sind."
Bildunterschrift: Klonfleisch oder nicht?
Ein Tier zu klonen kostet 30.000 Euro. Dass Fleisch dadurch billiger wird, ist schwer vorstellbar. Und laut Umfragen sind 80 Prozent der Deutschen ohnehin gegen Klonfleisch. Vermeiden kann es der einzelne aber nur, wenn es auch gekennzeichnet wird. Und da wäre dann auch die Staatsregierung wieder gefragt, die dem Verbraucher die Verantwortung überlassen möchte.
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