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19.03.2010


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Sampling "Das ist doch von Queen geklaut"

Stand: 19.11.2009

Sampling

1996, also vor 13 Jahren passierte so einiges: Deutschland wurde Fußball-Europameister, Bill Clinton wiedergewählt und der Freizeitpark Plohn wurde eröffnet. Abgesehen von diesen Weltereignissen aber nahm auch ein Einzelschicksal seinen Lauf: Eine Platte von Grandmaster Flash zog einen kleinen Landjungen in ihren Bann: "The adventures of Grandmaster Flash on the wheels of steel". Was war hier bitte schön los? Alle paar Sekunden änderte das "Lied" seine Richtung, hier ein Scratch, dort ein Break, und immer wieder diese Bassline, von der meine Mama sagte, dass "das doch von Queen geklaut ist"! Wie bitte? Meine Musik war von Queen infiltriert? Wie bitte passt das zusammen? Sehr gut, wie sich im Laufe der Jahre herausstellte…

Die Anfänge des Samplings

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Bild vergrößern Bildunterschrift: Grandmaster Flash

"The adventures of Grandmaster Flash on the wheels of steel" ist mit Sicherheit nicht die erste Platte, die das Sampling in die Musikgeschichte gebracht hat. Ein Blick ins Archiv zeigt, dass bereits 1948 von Pierre Schaeffer ("musique conqureté") gesamplet wurde und Bands wie Pink Floyd ebenfalls diese Technik anwendeten. Vorreiter und zumindest in der Öffentlichkeit das Mutterschiff des Samplings ist aber zweifelsohne die HipHop-Kultur. Die DJs in New York waren es, die sich Ende der Neunzehnsiebziger die Stellen aus Musikstücken suchten, in denen nur die Drums gespielt wurden, sich diese Schallplatten doppelt besorgten und eben diese Passagen mit Hilfe ihrer Mischpulte hin und her mixten, so dass ein sogenannter "Loop" entstand, über den später die MCs ihre Texte rappen konnten. Darauf aufbauend und mit Hilfe der modernen Produktionshardware war es ein paar Jahre später möglich, Drumloops oder auch andere Teile aus Musikstücken aufzunehmen, zu bearbeiten und endlos aneinander zu reihen und zu überlagern: Das Sampling in seiner jetzigen Form war geboren.

Sampling als Kunstform

Sampling

Bildunterschrift: Chuck D

Dank des enormen technischen Fortschritt ist das Samplen zwei Jahrzehnte später eine eigenständige Kunstform. Acts wie Public Enemy (It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back, 1988) oder DJ Shadow (Endtroducing…, 1996) trugen mit ihren Alben dazu bei, Sampling in der Musikkultur zu etablieren. Denn Samplen ist heutzutage nicht mehr nur im HipHop zu finden. Drum & Bass, TripHop, Big Beat, Electro, um nur einige samplende Genres zu nennen, und selbst Hits von Pop-Größen wie zum Beispiel Christina Aguilera ("Ain’t no other man"), liegen oft Samples zu Grunde.

Auf der Suche nach neuem Stoff

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Somit gleichen sich die Szenarien auf aller Welt: Musikschaffende durchforsten Plattenläden und Flohmärkte, ständig auf der Suche nach neuem Stoff. Von Soul bis Klassik, Hörspiele, oder Studien über Vögelgesänge in Mosambik – das Graben nach Schätzen kennt keine Grenzen und treibt gleichzeitig auch seltsame Blüten: Drum-Soli erlangen unter Umständen Weltruhm samt eigenem Wikipedia-Eintrag und einem 18-Minuten-Special auf YouTube So der "Amen Break" der Band "The Winstons" aus dem Jahre 1969, der vor allem im Drum & Bass-Bereich dazugehört, wie Weihrauch in die Kirche.

Oder aber es werden Unsummen im Internet geboten, nur um nachher die Original-Pressung einer gewissen Vinyl-Schallplatte sein eigen zu nennen. Das Ziel jedoch ist immer das Gleiche, nämlich Sample-Quellen zu finden, die noch keiner kennt, um damit neue Musik zu schaffen. Manche sehen das sogar als Sport, und wie jeder Sport, hat auch dieser seine Meister: Produzenten wie Madlib aus Los Angeles, Jay Dee aka J. Dilla aus Detroit, bereits erwähnter DJ Shadow aus San Jose oder auch DJ Premier aus New York sind für ihre Art und Weise, Samples zu verarbeiten, weltberühmt. Vor allem um Jay Dee aka J. Dilla entstand seit seinem Tod im Jahre 2006 (Jay Dee starb an der Immunkrankheit Lupus) ein Kult: In seinen letzten Wochen im Krankenhaus hat er noch an einer reinen Instrumental-LP namens "Donuts" gearbeitet, die heute als Blaupause für den kreativen Umgang mit Samples gilt. Und tatsächlich, das Album funktioniert gänzlich ohne Raps und zieht den geneigten Hörer aufgrund seiner Atmosphäre in den Sample-Bann.

Genau so ergeht es auch dem kleinen Landjungen heute. Der hat sich mittlerweile die Plattensammlung seiner Mama stibitzt, um hin und wieder aus den alten Lieblingsstücken seiner Eltern freshe HipHop-Beats zu basteln.

Und jedes Mal, wenn meine Mum dann wieder einen ihrer alten Hits erkennt, erinnere ich mich daran, wie viel von dieser Leidenschaft eigentlich Queen geschuldet sind. Danke Jungs!

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