09.02.2010
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Am dritten Sonntag im Oktober ist Kirchweih. Ein Feiertag, der eigentlich nur aus pragmatischen Gründen auf einen bestimmten Tag gelegt wurde. "Allerweltskirchweih" wird dieser Kirchweih-Feiertag deshalb auch vom Volksmund betitelt. Denn längst nicht überall ist dieser Tag im Herbst auch der Jahrestag der Weihe des jeweiligen Gotteshauses.
Stand: 19.10.2008
Bis 1866 wurde in Bayern in Städten und Dörfern Kirchweih noch gefeiert, wie es gefallen ist: jedes Jahr um die Zeit des Patroziniumstags - und nicht nur am Sonntag, sondern mitunter auch bis Mittwoch. Doch da die Bevölkerung auch die Kirchweihfeste der Nachbarorte mitgefeiert hat, wurde es der Obrigkeit irgendwann doch zuviel. Die Dorfkirchweih wurde abgeschafft und eine bayerische Einheitskirchweih angeordnet - festgesetzt auf den dritten Sonntag im Oktober.
Der Versuch, die Festivitäten derart zu bündeln und damit zu entschärfen, war allerdings nur teilweise erfolgreich: In der Oberpfalz gibt es heute noch eine Gegend, in der man, so wie es ursprünglich der Brauch war, den ganzen Sommer über Kirchweih feiert. Dort wandert die Kirwa jedes Wochenende ein paar Kilometer weiter von Dorf zu Dorf. Und mit ihr das Brauchtum, das seit einigen Jahren eine lebendige Renaissance erlebt.
Bildunterschrift: Ein historisches Foto des Kirwabären
Eine traditionelle Kirwa-Zeremonie ist der Kirwabär, der durch das Dorf getrieben wird. Ein Bursche gibt dabei den verkleideten Bären, ein anderer den Treiber, der ihn zähmen soll. Die übrigen Kirwa-Paare sorgen als Meute für freies Geleit. Während des Kirwabärtreibens tanzt der Bär wild mit den Frauen des Dorfes und zieht von Haus zu Haus mit dem Ruf "Spende oder Schwarz!". Wer keine leibliche Stärkung rausrückt, läuft Gefahr, geschwärzt zu werden mit einem Gemisch aus Ruß und Fett.
Das Spektakel findet immer am Kirwa-Montag statt, der Roam-Kirwa - also der Rüben-Kirchweih - und erfreut sich ganz besonders großer Beliebtheit bei den Dorfkindern, die in Scharen angelaufen kommen, um dem Treiben zuzusehen.
Die Tradition des Kirwa-Feierns. Sie lebt von den Zeremonien, zu denen auch Baumaufstellen, Baumaustanzen oder auch Geldbeutelwaschen gehören, aber auch vom Eifern um das schönste Fest im Dorf. Die Vorbereitungen dauern Monate - die Kirwa selbst im jeweiligen Ort dagegen dann nur drei oder vier Tage.
Es sind und waren immer Tage der ausgelassenen Lebenslust außerhalb der Norm. Eine schöne Zeit - und eine lange! "Die Kirwa wandert wieder", wie man sagt, von April bis November. So lange dauert es - das oberpfälzer Kirchweihtreiben.