09.02.2010
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Historisches Ereignis in München: In der Hauptsynagoge Ohel Jakob wurden nach mehr als 70 Jahren wieder die ersten in Deutschland ausgebildeten orthodoxen Rabbiner ordiniert: Zsolt Balla und Avraham Radbil.
Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, bezeichnete das Ereignis als ein "kleines Wunder". Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble erklärte, die Ordination sei ein bewegender Moment. Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, nannte es einen historischen Moment, dass orthodoxe Rabbiner wieder "aus Deutschland für Deutschland" ordiniert werden - einen "Meilenstein" für das jüdische Leben in Deutschland und Mitteleuropa. Denn es beweise, dass es der Holocaust trotz "Verlusten und Schmerzen" nicht vermocht habe, das Judentum in Deutschland zu vernichten.
An der Ordinationsfeier in der Synagoge am Jakobsplatz nahmen auch führende Rabbiner aus ganz Europa, unter ihnen auch der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Rabbiner Yosef Sitruk, teil.
Ordiniert wurden Rabbiner Zsolt Balla und Rabbiner Avraham Radbil. Beide sind Absolventen des neu gegründeten "Hildesheimerschen Rabbinerseminars" Berlin. Alle neun Studenten des Rabbinerseminars sind auch Absolventen der Yeshivas Beis Zion - einer zentralen Einrichung für das Tora-Studium, wie der Zentralrat der Juden in einer Pressemitteilung erklärt.
Das Seminar war 1873 war von Rabbiner Esriel Hildesheimer gegründet worden und galt als bedeutendste Ausbildungsstätte für orthodoxe Rabbiner in ganz Europa. 1938 wurde es von den Nationalsozialisten geschlossen. 2005 eröffnete der Zentralrat der Juden in Deutschland zusammen mit der Ronald S. Lauder Stiftung die Nachfolgeinstitution neu.
Die im Seminar Ausgebildeten durchlaufen ein dreijähriges Vollzeitstudium, wobei der Schwerpunkt auf dem Talmud und der Halacha liegt. Außerdem werden die Studierenden intensiv auf die Praxis vorbereitet. So müssen sie Schabbat-Programme in kleinen jüdischen Gemeinden leiten, Artikel für jüdische Zeitungen schreiben, wöchentlichen Unterricht und Ferienseminare für jüdische Schüler durchführen. Die Studierenden werden auch in Rhetorik und Seelsorge ausgebildet, um sie auf die vielfältigen Aufgaben eines Gemeinderabbiners in Deutschland vorzubereiten.
Rabbiner Balla wurde von der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig als "Wochenendrabbiner" angestellt und wird zudem von Berlin aus die Bildungsprogramme der Lauder Yeshurun leiten, einer Organisation, die jüdische Bildung in Deutschland fördert. Rabbiner Radbil wird im August 2009 seinen Dienst als Assistent des Oberrabbiners der Synagogen-Gemeinde Köln antreten.
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