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Irmtraud Gutschke Eva Strittmatter - Leib und Leben

"Ich mach ein Lied aus Stille / Ich mach ein Lied aus Licht. / So geh ich in den Winter. / Und so vergeh ich nicht." Verse, geschrieben von Eva Strittmatter, Anfang der 70er-Jahren, in Schulzenhof, wo sie seit über 50 Jahren lebt. Bis zu seinem Tod 1994 zusammen mit ihrem Mann, Erwin Strittmatter. Ein Leben im Schatten des großen Dichters? Ja und nein. Jetzt erzählt sie davon, erstmals in einem großen Interview.

Stand: 16.02.2009

Eva Strittmatter

Bildunterschrift: Eva Strittmatter

Eva Strittmatter - die erfolgreichste deutsche Lyrikerin der letzten Jahrhunderthälfte. Ihre Gedichtbände erzielten Auflagen in Millionenhöhe. Dabei war das Leben an der Seite ihres berühmten Mannes alles andere als einfach. Die nach außen idyllisch wirkende Schriftstellerehe hatte dramatische Momente. Das Buch "Leib und Leben" ist eine Autobiografie in Interviewform - ein Glücksfall. Auf  fast intime Weise gibt sie hier Auskunft. Die Journalistin Irmtraud Gutschke, die mit ihr sprach, hatte nichts anderes erwartet:

"Eva Strittmatters Gedichte leben ja davon, dass sie sehr offen ist, und dass sie wirklich etwas bekennt, was andere auch in sich tragen und vielleicht nicht wagen zu bekennen."

Ein Leben im Schatten ihres Mannes? Ja und nein. Als Erwin Strittmatter 1994 starb und beerdigt wurde, war diese Beziehung noch lange nicht zu Ende. Eva Strittmatter edierte Werke aus dem Nachlass, sichtete Aufzeichnungen und Tagebücher. Erwin Strittmatter notierte alles: literarische Skizzen ebenso wie Frauengeschichten - Affären bis zuletzt. Es warf sie nicht aus der Bahn. Umso größer ihre Überraschung, als 2008 herauskam, dass Strittmatter während des Krieges bei der Ordnungspolizei der SS gewesen sein soll. "Natürlich war das ein ungeheurer Schlag", sagt sie.

Ursprünglich, 1954 war das, wollte Eva Strittmatter mit Erwin nicht aufs Land ziehen, sondern in Berlin bleiben. Sie ging dann doch mit, kümmerte sich um Hof und Kinder, während Erwin schrieb. Eine klassische Rollenverteilung - dabei hatte Erwin ihr literarisches Talent früh erkannt. Die Geschichte dieser Schriftstellerehe ist auch eine der Konkurrenz ums Schreiben.

Erwin und Eva Strittmatter

Bildunterschrift: Erwin und Eva Strittmatter

"Dann sagte er, 'du musst unbedingt schreiben, du bist eine großartige Erzählerin'", sagt Eva Strittmatter. "Und ich habe zu ihm gesagt, 'ich will nicht schreiben, ich will dich lieber lieb haben'. Auf den Satz hat er sich später berufen. 'Du hast mir versprochen du wolltest … und jetzt reist du dahin, jetzt reist du nach Kasachstan und willst nach Amerika reisen und was alles, anstatt hier zu bleiben.' Und wenn ich nicht da war, hat er gesagt, 'das Haus ist kalt, die Wärme fehlt'."

Seit Anfang der 70er Jahre ist auch Eva Strittmatter als Lyrikerin ein Begriff und weltweit unterwegs mit ihrem Gedichten, deren Emotionalität und Wahrhaftigkeit vielen Menschen ein Halt war.

"Poesie des Alltags" ist ihre Lyrik genannt worden, eines Alltags, der oft genug unpoetisch war. Eva Strittmatter sagt es so: "Ich schreibe von einer einfachen Sache: Geburt und Tod und der Zwischenzeit." Das klingt nüchtern, fast banal.

"Ich habe also vor mich hingeschrieben", sagt Eva Strittmatter, "habe also mein Leben umgeschlagen in Poesie, und es ist eigentlich erstaunlich und unerwartet, dass das sich so vergrößert, im Grunde genommen."

"Die Ruhe in Schulzenhof", heißt es im Buch, "umhüllt dramatisches Geschehen". Eva Strittmatter würde es einfach Leben nennen: "Ein Rausch aus Reden und Lachen, / Die Liebe im und aus dem Wort - / Wir wolln daraus kein Drama machen: / Etwas war da und ist nun fort."

Info
Irmtraud Gutschke: Eva Strittmatter - Leib und Leben (Buchcover)

Irmtraud Gutschke 
Eva Strittmatter
Leib und Leben
Das Neue Berlin Verlag
16,90 Euro

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