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10.02.2010


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Dokumentarfilm Wir sind Papst! - Marktl am Inn

Am 19. April 2005 wurde Kardinal Joseph Ratzinger zum neuen Papst gewählt. Für das 2700 Seelen-Nest Marktl am Inn, Ratzingers Geburtsort, die große historische Wende. Denn plötzlich war der kleine Ort am Rande Oberbayerns für Millionen von Pilgern der Nabel der Welt.

Von Margret Koehler
Stand: 08.05.2009

Szene aus "Wir sind Papst"

Die BILD-Schlagzeile "Wir sind Papst" geht wohl wegen ihrer satirischen Prägnanz in die Titel-Geschichte der Zeitung ein. Und diesen Titel übernimmt auch Mickel Rentsch für seine Doku über das verschlafene Nest Marktl am Inn, Geburtsort von Papst Benedikt XVI.

Der Wahl des früheren Münchner Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger am 19. April 2005 zum Oberhaupt der katholischen Kirche verdanken die Dörfler viel. Ihr Ort wurde schnell Ziel von Pilgern, Neugierigen und Touristen. Stand zu Beginn Freude und Stolz über den berühmten Sohn im Vordergrund, merken die cleveren Einwohner bald, dass der Segen auch Geldregen mit sich bringt.

Papst-Merchandising wohin man schaut, vom "Papst Bier" über die leckere "Ratzinger-Schnitte" bis hin zum Vatikanbrot und Papsthonig. Sogar "Papst Wein" darf geschluckt werden, wen interessiert es in der allgemeinen Euphorie schon, dass in der Flasche nur ein Grüner Veltliner gluckert. Katholizismus und Kommerz schließen eine lukrative Allianz.

Filminfo

Originaltitel: Wir sind Papst! - Marktl am Inn (Deutschland, 2008)
Regie: Mickel Rentsch
Länge: 90 Min.
Kinostart: 14. Mai 2009

Zehn Tage nach der Konklave reist der Regisseur erstmals nach Markt und besucht die 2700 Seelen-Gemeinde immer wieder bis zum Besuch Ratzingers in Bayern ein Jahr später. Er fängt die ersten Veränderungen ein, nicht nur im Stadtbild, sondern auch im Verhalten der Leute und begleitet mit der Kamera die Wende zum großen Geschäft. Bei finanziellem Vorteil kann auch der größte Frömmler nicht widerstehen.

Mit Gefühl geht's aber noch einmal zu, als der Pontifex über Marktl hinwegfliegt, über Bordfunk zu Hunderten seiner Schäfchen redet und vom Himmel herab segnet. Kritisch distanziert und mit Augenzwinkern betrachtet der Film den Rummel und seine Auswüchse, ohne sich über die Menschen lustig zu machen.  Realsatire und Alltag verschmelzen zu einem unterhaltenden und kuriosen Panoptikum. Nur schade, dass der Film erst jetzt ins Kino kommt.    

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