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09.02.2010


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Drama Helen

Nach ihrem Kinoerfolg "Bella Martha" präsentiert Regisseurin Sandra Nettelbeck mit "Helen" nun in ihren ersten englischsprachigen Film. Diesmal fehlen allerdings die warm-witzigen Töne, "Helen" ist ein Film über Depression. Ashley Judd in der Titelrolle spielt eine Frau, die mit der Krankheit kämpft.

Szene aus "Helen"

Eine ausgelassene Geburtstagsfeier. Die Jubilarin Helen schafft es zwar nicht mehr, alle Kerzen auf einmal auszublasen, dennoch scheint ihr zweiter Mann David sie immer noch aus ganzem Herzen zu lieben. Einen Flügel schenkt er seiner Frau, einer allseits beliebten Musikprofessorin. Eine inzwischen dreizehn Jahre alte Tochter hat sie in die Ehe mitgebracht – und ein Geheimnis, über das sie nicht spricht.

Einer Freundin der Regisseurin gewidmet

Der Schein der heilen Welt trügt, die glückliche Familie gibt es nicht, denn Helen leidet unter Depressionen. Die Schübe kommen in immer kürzeren Abständen, immer öfter bricht sie in Tränen aus. Da lernt sie die junge Cellistin Mathilda (Lauren Lee Smith) kennen, eine Seelenverwandte mit derselben Krankheit...

Szene aus "Helen"

Bildunterschrift: Ein Bild aus glücklichen Tagen: Helen (Ashley Judd) und ihr Ehemann

Nach ihrem erfolgreichen Feelgood-Movie "Bella Martha" hat Sandra Nettelbeck das Genre gewechselt, sich an einer Tragödie versucht, die durchaus auch als Aufarbeitung eines eigenen Verlusts gelesen werden kann. "Helen" hat die deutsche Filmemacherin einer Freundin gewidmet, die sich nach langer psychischer Krankheit das Leben nahm. So spürt man in jeder Einstellung die intensive Beschäftigung der Regisseurin mit dem Thema, emotional  einfühlsam hat sie das Drehbuch verfasst und in Ashley Judd, selbst wegen Depressionen zeitweise in Behandlung, die ideale Schauspielerin für ihre Titelheldin gefunden.

Kitschfreie Studie einer Krankheit

Szene aus "Helen"

Bildunterschrift: Immer tiefer sinkt Helen in die Depression.

Ohne Hollywood-Hochglanz und Tränendrüsen-Attacken bekommt der Zuschauer es hier mit einer klinischen Fallstudie zu tun, die auf optischer Ebene von Kameramann Michael Bertl schlicht und in gedeckten Farben gehalten ist. Blau und schwarz spiegeln die Seelenzustände der Leidgenossinnen wider, deren Dialoge primär jenseitsgerichtet sind. "Top Five Methoden sich umzubringen", sagt Helen, "Top Five Methoden trotzdem weiter zu leben", kontert Mathilda. Derweil bleibt Helens liebender Ehemann, attraktiv und gut besetzt mit Goran Visnijc, fassungslos außen vor.

Eindringliches Kino durch zurückhaltende Regie

Filminfo

Originaltitel: Helen (D/USA, 2009)
Regie: Sandra Nettelbeck
Darsteller: Ashley Judd, Goran Visnjic, Lauren Lee Smith, Alexia Fast
Länge: 119 Min.
FSK: ab 12 Jahre
Kinostart: 26. November 2009

Mittels Parallelmontage setzt Nettelbeck die Schicksale der beiden Frauen Helen und Mathilda in Beziehung, zeigt Krankheitsverläufe wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Helen wird immer suizidaler, Mathilda stürzt sich kopfüber ins Leben, sucht mit Drogen und sexuellen Eskapaden nach Heilung. Die gibt es aber so nicht. Sondern nur die Spirale nach unten. Helen wird eingewiesen, bekommt (wirkungslose) Medikamente verschrieben. Es folgen juristische Streitereien und schließlich ein Selbstmordversuch.

Das "Warum" erklärt die Regisseurin nicht. Das geht gar nicht. Sie bleibt bei der Außensicht, hält sich mit Schuldzuweisungen und Erklärungen zurück. Zeigt nur, was passiert, wie eine Familie zerbricht. Das ist lehrreich und auch schrecklich anzusehen. Und letztlich tröstlich wegen des (aufgesetzten?) Happy Ends.   

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