31.07.2010
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Atemnot, blaue Lippen, Ohnmachtsanfälle: Die Symptome des Lungenhochdrucks werden häufig nicht erkannt. Dabei führt die Erkrankung der Lungengefäße letztendlich zum Herzversagen. Eine rechtzeitige Diagnose ist daher lebenswichtig.
Von Judith Kotra
Stand: 14.12.2009
Eine Mauer teilte damals Deutschland. Monika Vollmar war eine Gefangene hinter dem eisernen Vorhang und Geisel einer heimtückischen Krankheit, die auch heute noch allzu oft zu spät erkannt wird. Sie litt immer häufiger an Atemnot, die Lippen liefen blau an und irgendwann kippte sie einfach um. Dennoch sagten die Ärzte jahrelang, ihr Herz und die Lunge seien gesund. Doch die Schwäche und Ohnmachtsanfälle traten immer häufiger auf, selbst in Ruhestellung. Erst dann wurde endlich eine Herzkatheteruntersuchung vorgenommen. Damit kam man dem Problem auf den Grund. Die Diagnose: Lungenhochdruck.
"Lungenhochdruck oder die pulmonale Hypertonie ist eine Erkrankung der Lungengefäße, die dazu führt, dass sich diese immer weiter verschließen, so dass das Blut nur noch mit erhöhtem Druck durch die Lunge durchgepumpt werden kann. Und auf Dauer beeinträchtigt das dann die Tätigkeit des rechten Herzens, weil das rechte Herz das Blut durch die Lungenkreislauf zu pumpen hat. Die rechte Herzkammer wird immer weiter und am Ende versagt sie. Es kommt zum Herzversagen und Tod dieser Patienten."
Deshalb ist eine frühe Diagnosestellung von größter Bedeutung. Dass Monika Vollmar, heute 65 Jahre, überlebt hat, grenzt an ein Wunder. Denn der Zeitverlust bis zur Diagnosestellung kann fatal sein. Eine Behandlung war in der DDR gar nicht möglich. Also schmiedete das Ehepaar einen Fluchtplan. Ehemann Gerhard Vollmar bestand darauf, dass seine Frau anlässlich eines Besuches im Westen nicht mehr zurückkehren sollte. Er wusste, wie es um sie stand, und er wollte nichts unversucht lassen, um ihr Leben zu retten. Selbst im Nachhinein bereut Gerhard Vollmar es nicht, obwohl er nach der Flucht seiner Frau einiges mitgemacht hat. "Es ging um Leben und Tod. Deswegen habe ich meiner Frau geraten, im Westen zu bleiben." Und sie fügt nachdenklich hinzu:
"Mir ist es sehr schwer gefallen, meine Familie im Stich zu lassen. Ich wusste aber, worauf es ankommt, und habe dann festgestellt, dass ich über die UNO meine Familie nachholen kann."
Einfach war es nicht, bis die Familie wieder vereint war. Gerhard Vollmar verlor seinen Job als Oberschullehrer und die Kinder wurden aus der Schule geschmissen.
Bildunterschrift: Atemnot, ständige Müdigkeit: Lungenhochdruck wird oft zu spät erkannt.
Es ist noch nicht so lange her, dass die Prognose der Überlebenszeit nach Diagnosestellung im Schnitt zwei bis drei Jahre betrug. Doch Monika Vollmar lebt seit über 25 Jahren mit der Krankheit. Ist sie ein Ausnahmefall? Möglicherweise schon. Heute leiten Gerhard und Monika Vollmar eine Selbsthilfegruppe in Bayern und versuchen, anderen Betroffenen - zum größten Teil Frauen - Mut zu machen und zu helfen. Von Lungenhochdruck sind doppelt so viele Frauen wie Männer betroffen.
Heute gibt es jedoch wirksame Medikamente, die das Fortschreiten der Krankheit eindämmen und die Lebensqualität deutlich verbessern können. Heilbar ist Lungenhochdruck allerdings noch nicht. War früher aber eine Herz- und Lungentransplantation der einzige Ausweg, so ist das heutzutage der letzte Ausweg. Wirkstoffe, wie zum Beispiel Sildenafil, der vor einigen Jahren dadurch Furore machte, weil er der männlichen Potenz auf die Sprünge half, können Herz- und Lungengefäße erweitern. Der Druck wird gesenkt, die Atemnot verringert.
Es gibt verschiedene Arten von Lungenhochdruck. Dazu gehört der arterielle Lungenhochdruck - ohne bekannte Ursache - an dem Monika Vollmar leidet, und der erblich bedingte arterielle Lungenhochdruck, der bereits im Kindesalter auftreten kann.
Prof. Dr. Michael Pfeifer
Medizinischer Direktor
Klinik Donaustauf
Ludwigstraße 68
93093 Donaustauf
Fax: 09403-80212
Da die einzelnen Formen des Lungenhochdrucks unterschiedlich behandelt werden müssen, ist eine rechtzeitige und korrekte Diagnose äußerst wichtig. Wer wiederholt an Atemnot leidet, ständig müde und schlapp ist, ohne dass eine Herz- oder Lungenerkrankung vorliegt, sollte es nicht dabei bewenden lassen. Die Krankheit wird leider von den Betroffenen selber und auch von den Ärzten viel zu oft verkannt. Für die pulmonale Hypertonie gibt es in Deutschland spezialisierte Zentren in München, Berlin, Gießen, Heidelberg, Hannover, Homburg/Saar und Leipzig.
Selbst stabile Patienten, wie Monika Vollmar, müssen alle drei Monate zur Kontrolle. Nur so kann der Arzt beurteilen, ob und wie die Medikamente wirken, und ob die Krankheit fortschreitet. Neben regelmäßigen Bluttests liefern dem Arzt Kontrolluntersuchungen wichtige Informationen über den Zustand seiner Patienten.
Bundesgeschäftsstelle pulmonale Hypertonie e.V.
Wormser Str. 20
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Gerhard und Monika Vollmar
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Prof. Dr. med. Jürgen Behr
Zentrum für Pneumologie Klinikum der Universität München-Großhadern
Marchionini Str. 15
81377 München
Tel: 089/7095-3071
Fax: 089/7095-8877
E-Mail: juergen.behr@med.uni-muenchen.de
Prof. Dr. med. Michael Pfeiffer
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II Universität Regensburg
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93053 Regensburg
Tel: 0941/9447281
Fax: 0941/9447282
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