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Nahrungsergänzung Warnung vor Kalzium?

Von Johanna Bayer
Stand: 29.05.2009

Brausetablette

Kalzium ist einer der wichtigsten Mineralstoffe für den Körper. Besonders als Bausubstanz für Knochen und Zähne spielt das Mineral eine Rolle – von rund 1,2 Kilo Kalzium, die jeder Mensch durchschnittlich im Körper hat, stecken 99 Prozent in Knochen und Zähnen. Daneben ist Kalzium auch für Muskeln und Nerven sowie für Blutgerinnung, Enzyme und Hormone wichtig. Sportler, Gesundheitsbewusste, aber auch Osteoporose-Patienten, Schwangere oder Stillende nehmen Kalzium als Nahrungsergänzung auf, weil sie hoffen, so ihre Knochen zu stärken.

Studie weist auf Herzinfarkte und Schlaganfälle hin

Arzt und Patientin

Bildunterschrift: Kalzium wird gegen Osteoporose verschrieben

Doch Anfang 2008 hat eine Studie aus Neuseeland international für Wirbel gesorgt: Dort hatten gesunde Frauen nach den Wechseljahren 1000 mg Kalzium zusätzlich zur Nahrung bekommen, um der Osteoporose vorzubeugen. Die Auswertung ergab überraschend, dass diese Kalzium-Gabe Herzinfarkt, Schlaganfall und Herz-Kreislaufschäden zu verstärken schien. Auch in Deutschland berichteten Presse und Fernsehen darüber. Ärzte und Wissenschaftler hierzulande warnen jedoch vor Panikmache. Dr. Stephan Scharla, Internist und Osteoporose-Experte aus Bad Reichenhall, bezweifelt, dass die Studie wirklich aussagekräftig ist: "Das ist ein Einzelergebnis, das im Widerspruch zu allen bisherigen Daten steht", so Scharla. Viele Studien zu Kalzium hätten bisher keinerlei derartige Risiken gezeigt, im Gegenteil: Bisher sei beobachtet worden, dass sich Kalzium eher günstig auf Herz und Kreislauf auswirke.

Für Osteoporose-Patienten ändert sich nichts

Wenn die Neuseeländer als Einzige einen anderen Trend erkennen, solle das genau geprüft werden. Man müsse, so Scharla, die Studie sicher ernst nehmen und dem Hinweis weiter nachgehen. Doch gibt es aus seiner Sicht keinen Grund zur Sorge. Besonders die Osteoporose-Patienten sollten jetzt keinesfalls auf eigene Faust ihre Medikamente absetzen. "Gerade bei Osteoporose-Patienten muss ein Kalzium-Mangel unbedingt vermieden werden", sagt Scharla. Der Internist ist auch zweiter Vorsitzender des Kuratoriums Knochengesundheit, eines großen deutschen Osteoporose-Verbandes. Denn gerade bei krankhaftem Knochenschwund ist es sehr wichtig, genügend Kalzium aufzunehmen, damit der Knochen nicht noch mehr geschwächt wird.

Vorsorge auf eigene Faust ist auch nicht gut

Experte im Beitrag

Privatdozent Dr. med. Stephan Scharla
Facharzt für Innere Medizin; Kuratorium Knochengesundheit
Bad Reichenhall

Allerdings sollten Gesunde, so der Experte, nicht auf eigene Faust wahllos Mineralien zu sich nehmen: "Ich bin nicht für Vorsorge nach dem Gießkannen-Prinzip. Nicht jedes Mittel taugt für alle, und man sollte, wenn man irgendwelche Mineralien oder Vitamine zusätzlich zur Nahrung einnehmen will, auf jeden Fall vorher den Hausarzt fragen", sagt Stephan Scharla. Der Arzt sollte dann zunächst den Kalzium-Spiegel im Blut messen und die Ernährungsgewohnheiten des Patienten untersuchen. Nur dann kann gemeinsam überlegt werden, ob die Extra-Portion Kalzium wirklich sinnvoll ist. Unmittelbare Schäden seien zwar nicht zu befürchten, jedoch könne bei Menschen mit Nierenkrankheiten die Neigung zu Nierensteinen verstärkt werden.

Richtige Ernährung deckt den Bedarf

Käse

Bildunterschrift: Kalzium-Bombe

Länger als drei Monate sollte man ohnehin keine Vitaminpillen oder Mineralstoff-Präparate einnehmen. Als Kur nach einer Krankheit, oder - nach Beratung durch den Arzt - in Schwangerschaft und Stillzeit können Vitamin- oder Mineralstoffpräparate durchaus sinnvoll sein. Doch auf Dauer reicht es, den Kalzium-Bedarf mit einer vielseitigen und ausgewogenen Ernährung zu decken. Das geht leichter als gedacht: Schon zwei Scheiben Emmentaler und ein Glas Milch decken den Tagesbedarf von 1000 mg Kalzium. Auch grünes Gemüse wie Brokkoli, Rucola oder Fenchel liefert den wertvollen Stoff, außerdem sind weitere Milchprodukte wie Joghurt günstig. Besonders die Hartkäsesorten sind echte Kalzium-Bomben. Dagegen zählen Süßigkeiten, aber auch Cola, Kaffee und Tee zu den Kalzium-Räubern, deren Genuss man einschränken sollte.

Ohne Vitamin D kein Knochenaufbau

Joggende Männer

Wichtig für Knochen und Kalzium-Haushalt ist aber auch Bewegung an frischer Luft. Denn einerseits wachsen Knochen nur, wenn sie durch die Muskeln, Druck und Zug dazu angeregt werden. Andererseits braucht der Körper unbedingt Vitamin D, um Kalzium überhaupt in die Knochen einzubauen. Und dieses besondere Vitamin wird hauptsächlich im Körper selbst erzeugt, wenn die Haut mit Sonnenlicht in Kontakt kommt. In Nahrungsmitteln kommt Vitamin D sehr wenig vor, eine Ausnahme bilden zum Beispiel fette Seefische wie Lachs oder Makrele.

Regelmäßig an die frische Luft

Bei der modernen Lebensweise und sehr oft bei Älteren, fehlt der Haut jedoch der Kontakt mit der Sonne: Die Menschen kommen zu selten ans Tageslicht. Bei Älteren lässt die Fähigkeit der Haut nach, Vitamin D herzustellen. Vitamin D-Mangel ist in Industrieländern sehr häufig und viel weiter verbreitet als Kalzium-Mangel. Gerade für Kinder ist das ein Risiko. Deshalb wird Kinder- und Babynahrung oft Vitamin D extra zugesetzt.

Wer also seinen Knochen etwas Gutes tun will, sollte darauf achten, dass er sich regelmäßig nach draußen begibt oder ab und an ein Sonnenbad nimmt. Das bedeutet keineswegs ausgiebiges Braten bis zum Sonnenbrand - dreimal in der Woche eine Viertelstunde Sonnenlicht auf nackte Arme und Beine reicht schon. 

Link-Tipps

Kuratorium Knochengesundheit e. V.
Leipziger Str. 6
74889 Sinsheim
Internet: www.osteoporose.org/cms/

Infoseiten zu Mineralstoffen und Vitaminen von der Universität Hohenheim
Internet:
www.uni-hohenheim.de/...htm

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