11.03.2010
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Farbenprächtig und duftend locken die Früchte zum Reinbeißen. Ob Erdbeeren, Trauben oder Kirschen: Obst ist sinnlich und verführerisch, aber nicht für jeden gesund!
Von Judith Kotra
Stand: 04.11.2008
Jeder Biss ein Genuss und dazu gesund: "5 am Tag" heißt deshalb auch eine bundesweite Kampagne der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Wer viel Obst und Gemüse isst, kann das Risiko, an Herzkreislauferkrankungen und an Diabetes zu erkranken, sogar um 70 Prozent senken, besagt die europaweite EPIC Studie, European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition.
Bildunterschrift: Obst: Manche reagieren empfindlich auf die enthaltene Fructose.
Ein Obstsaft oder ein schönes Stück Wassermelone ist gerade an heißen Tagen eine wohltuende Erfrischung. Doch das bedeutet nicht, dass Diabetiker von jeder Sorte auch beliebig viel essen dürfen. Denn Obst enthält Zucker: zum einen Fructose, also Fruchtzucker, zum anderen Traubenzucker. Und Honig besteht sogar bis zu 80 Prozent aus Trauben- und Fruchtzucker. Der übliche weiße Kristallzucker ist chemisch ein Zweifachzucker, bestehend aus einem Molekül Trauben- und einem Molekül Fruchtzucker - ohne jegliche Vitamine. Fruchtzucker hat nur ein Molekül. Da er im Körper langsamer verarbeitet wird, eignet er sich angeblich besonders für Diabetiker.
Bildunterschrift: Apfelschorle enthält sehr viel Fruchtzucker.
Viele Produkte werben mit Fruktose - dabei ist Fruchtzucker keineswegs ein gesünderes Süßungsmittel, denn er liefert nicht weniger Kalorien und macht genauso wie Zucker dick. Es gibt auch versteckte Dickmacher, wie der gerade im Sommer allgemein beliebte Durstlöscher, die Apfelsaftschorle, denn auch sie enthält viel Fruchtzucker.
Der im Handel erhältliche Fruchtzucker wird nicht - wie viele vermuten mögen - aus Früchten gewonnen. Er wird industriell aus Mais, beziehungsweise Maissirup, hergestellt. Im Besonderen weisen alle getrockneten Früchte einen hohen Fruchtzucker-Anteil auf: In 100 Gramm getrocknete Datteln oder Feigen sind bis zu 28 Gramm Fruchtzucker enthalten. Diabetiker sollten also ganz darauf verzichten, und ebenfalls den Konsum von Weintrauben, Birnen, Bananen einschränken - also Sorten mit einem hohen Fruchtzuckeranteil. Stattdessen empfiehlt sich, bei den Obstsorten wie Melonen, Pfirsichen oder Zitrusfrüchten kontrolliert zuzugreifen.
Bildunterschrift: Wer mit Bauchschmerzen zum Beispiel auf Apfelsaft reagiert, könnte eine Fructose-Malabsorption leiden.
Wiederum andere Menschen müssen auf das meiste Obst gänzlich verzichten. Treten als Folge fruchtiger Genüsse Symptome wie Übelkeit, Bauchkrämpfe und Durchfall auf, kann die Ursache in einer Unverträglichkeit von Fruchtzucker liegen. Bei vielen Menschen sind Unverträglichkeiten gegen Kohlenhydrate schuld an Unwohlsein und Bauchschmerzen. Weniger bekannt, aber vermutlich noch häufiger, ist die Unverträglichkeit gegen Fruchtzucker, einem Einfachzucker, der insbesondere in Obst und Gemüse vorkommt.
Schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung haben eine solche Fructosemalabsorption oder intestinale Fruchtzuckerunverträglichkeit. Viele Betroffene zeigen die oben genannten Symptome, sie sind oft gereizt und müde, haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, oder sie leiden an Schwindelgefühl, Atemnot, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Außerdem kann es auch zu Depressionen und einem Mangel an Folsäure und Zink kommen. Selbst der Zusatz "zuckerfrei" auf Lebensmitteln garantiert keine Verträglichkeit: So wird zum Beispiel der Zuckeraustauschstoff Sorbit im Körper in Fruktose umgewandelt.
Bildunterschrift: Trockenfrüchte - wie zum Beispiel Datteln - sind reich an Fruchtzucker.
Ob eine Unverträglichkeit gegen Fruchtzucker vorliegt, lässt sich durch eine Wasserstoff-Atemgas-Analyse feststellen. Dabei wird die Konzentration von Wasserstoff im Atem gemessen, nachdem der Betroffene 50 Gramm Fruchtzucker auf nüchternen Magen eingenommen hat. Die im Dickdarm entstehenden Abbauprodukte der Fruktose fallen in hohen Konzentrationen an, werden dort teilweise in den Körper aufgenommen und über die Lunge abgeatmet. So ist Wasserstoff schon wenige Minuten, nachdem die Fermentation eingesetzt hat, in der Atemluft nachweisbar. Steigt die Konzentration von Wasserstoff im Atem über einen bestimmten Grenzwert an, liegt eine Fruktose-Malabsorption vor.
Bei manchen Personen werden nach dem Verzehr von Fruchtzucker aber gleichzeitig auch Bakterien aktiv, die Methangas bilden. Dadurch wird der Wasserstoff im Darm verbraucht und ist in der Atemluft nicht mehr nachweisbar. Wird diese gleichzeitig auch auf Methan getestet, ist die Diagnose fast zu 100 Prozent sicher.
Man kann aber auch durch einen Selbsttest eine Idee davon bekommen, ob man eine Fruchtzuckerunverträglichkeit hat oder nicht, indem man einen halben Liter Apfelsaft trinkt. Treten Symptome wie Durchfall, Blähungen, Bauchkrämpfe, gurgelnde Darmgeräusche oder Darmsymptome auf, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man an einer Fruchtzucker und oder Sorbit-Unverträglichkeit leidet. In dem Fall sollte man die Diagnose mittels Wasserstoffatemtest sichern lassen.
Bildunterschrift: Sorbit aus manchen Kaugummi-Sorten wandelt der Körper in Fructose um.
Fruktose-Malabsorption ist von der eher selten vorkommenden, dafür aber eher bekannten angeborenen Fruchtzuckerintoleranz streng abzugrenzen. Auch ist die Fruktose-Malabsorption keine Allergie. Im Gegensatz zu einer Nahrungsmittelallergie tritt bei der Unverträglichkeit keine Immunreaktion auf. Auch kann das Problem oft einfach durch Einschränkung der Einnahme von Fruktose, also durch fruchtzuckerarme Ernährung, behoben werden.
Auf folgende Lebensmittel sollte bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit verzichtet werden: