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Allergien Bedenkliche Duftstoffe

Von Katharina Wysocka
Stand: 08.01.2008

Frau schneuzt sich, Frau blickt auf eine Duftlampe, Frau versprüht Parfum aus einem Flakon | picture-alliance/dpa

Der Macht der Düfte kann sich niemand entziehen, ohne Umwege über den Verstand lösen sie direkt Gefühle und Erinnerungen aus. Denn Düfte sprechen umgehend das limbische System und den Hypothalamus an, den Gehirnbereich, der für Emotionen, Instinkte und Triebe zuständig ist, aber auch Gedächtnisinhalte speichert und Hormone freisetzt.

Die Wirkung von Düften zu nutzen, liegt im Trend: zur Entspannung, Konzentration, zum Wohlbefinden. Doch seit immer mehr Aromaöle und Duftessenzen in der Raumluft wallen und sie vermehrt in Hautpflegemitteln und Nahrungsmitteln enthalten sind, nehmen Kontaktallergien auf Duftstoffe zu. Dies beobachtet auch die Dermatologin Dr. Franziska Rueff von der Klinik für Dermatologie und Allergologie, der LMU München. Seit den 90er-Jahren sei die Zahl der Duftstoffallergien dadurch angestiegen, dass die Menschen vermehrt Duftstoffe ausgesetzt sind.

Duftstoffe: zweithäufigstes Allergen

Parfum | Bild: dpa

Duftstoffe sind mittlerweile nach Nickel das zweit häufigsten Allergen in Deutschland: Über eine Million Menschen in Deutschland sind von einer Duftstoffallergie oder Duftstoffunverträglichkeit betroffen. Dennoch benutzen viele Menschen weiterhin Duftstoffe im Übermaß. Zum Beispiel sollen Raumsprays und Raumbedufter zu Hause unangenehme Düfte übertünchen.

Einkaufen nur mit Atemnot

Auch die 59jährige OP-Schwester Rosa Achleitner ist allergisch auf Duftstoffe. Nachdem sie neben Kollegen arbeiten musste, die Parfums oder Deodorants verwenden, sind ihre Augen Tage lang gerötet und gereizt. Trotz spezieller Salben heilt der Ausschlag an ihren Armen nie vollständig. Jeder Gang zum Einkaufen ist für sie eine Herausforderung. Drogerie-Märkte kann sie gar nicht mehr betreten, die mit Duftstoffen versehenen Reinigungs- und Pflegemittel lösen bei ihr Atemnot aus und reizen ihre Augen. Welche Duftstoffe genau die Allergie ausgelöst haben, kann Rosa Achleitner nicht mehr nachvollziehen. Als junge Frau hat sie verschiedene Hautpflege-Produkte und Waschmittel verwendet, bis ihr Körper im Laufe der Zeit eine Allergie auf fast alle Duftstoffe entwickelt hat.

Viele Duftstoffe müssen nicht angegeben werden

Duftlampe | Bild: stockbyte

Bildunterschrift: Duftlampe

Die Dermatologin Franziska Rueff erklärt, dass man nicht wisse, warum einzelne Menschen allergisch werden und die anderen nicht. Doch bekannt ist, dass potentielle Kontaktallergene wie Duftstoffe mit dem Immunsystem reagieren. Der Körper bildet Abwehrzellen und bei fortgesetztem Kontakt mit dem Allergen kommt es zu einer allergischen Reaktion, im Fall von Duftstoffen zu einem Ekzem.

Allergie auslösende Duftstoffe zu meiden ist nicht einfach. Nur die 26 häufigsten Allergene müssen auf Kosmetika in der EU überhaupt deklariert werden. Ein Duft kann aber über 100  verschiedene Stoffe enthalten. Insgesamt etwa 3000 Duftsubstanzen werden bei der Duftherstellung verwendet, viele davon wurden noch gar nicht auf ihre Verträglichkeit geprüft, weil sie in geringen Mengen hergestellt werden. Für die Inhaltsstoffe von Raumdüften gilt überhaupt keine Deklarationspflicht.

Horror Duftkerze

Kerzen | Bild: Getty Images

Rosa Achleitner kann der Beduftung kaum noch aus dem Weg gehen. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass in einigen Kaufhäusern über die Klimaanlage Duftstoffe verbreitet werden. So ein Kaufhaus muss sie schnell wieder verlassen, weil sie Atemnot bekommt. Auch neu gekaufte Kleidungsstücke muss sie zunächst mehrmals waschen, bevor sie sie anziehen kann. In der Weihnachtszeit ist es für sie besonders belastend, denn dann brennen allerorten Duftkerzen und verdampfen Essenzen.

Das ganze Jahr über setzen Geschäftsleute ausgeklügelte Duftkompositionen als Marketingstrategie ein: Der Kunde soll sich wohl fühlen, so kauft er mehr. Meist wirken die Düfte im Unterbewusstsein, gerade unter der Wahrnehmungsgrenze. Zum Beispiel macht Schokoladenduft in der Konditorei Appetit.

Duft in der Zahnarztpraxis vertreibt die Angst

Zahnarzt | Bild: dpa

Bildunterschrift: Duftstoffe sollen Ängste beim Zahnarzt verduften lassen.

Sogar manche Zahnärzte beduften ihre Praxis: Wenn es nach Orange und Vanille riecht, haben die Patienten weniger Angst. Und ein angenehmer Duft in der Bank erheitert und lässt Geldsorgen vergessen. Ob die unterschwellige Beduftung ein Gesundheitsrisiko darstellt, sei nach Dr. Franziska Rueff noch nicht bekannt, denn es wurde noch nicht untersucht, ob dieser niedrig dosierte Kontakt zu Duftstoffen Allergien auslösen kann.

Das Beste, um Duftstoffallergien vorzubeugen, ist Duftstoffe sparsam zu verwenden. Um zu Hause für frische Luft zu sorgen ist es am besten, gründlich zu lüften und zu putzen, statt Raumsprays zu verwenden, die Gerüche nur überdecken können. Für die Weihnachtsstimmung verbreiten aufgekochte Gewürze ein angenehmes, unschädliches Aroma. Und den zarten Duft von Blumen kann kein Aromaöl überbieten.

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