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BayernLB und Hypo-Alpe-Adria Wie Bayern ausgetrickst wurde

Der Kauf der Kärntner Bank Hypo Group Alpe Adria - für die bayerische Landesbank ein Desaster. 3,7 Milliarden Euro hat die BayernLB in nur zwei Jahren verloren. Tatsache ist: Viele Probleme der österreichischen "Skandalbank" waren vor Vertragsabschluss öffentlich bekannt. Zumindest einige gravierende Details hätten dem Vorstand der Landesbank und den Politiker in deren Verwaltungsrat vor dem Kauf auffallen müssen.

Von Katharina Adami und Josef Streule
Stand: 21.12.2009

BayernLB | picture-allicane/dpa

Yachten auf der Adria - den Erwerb solcher Schiffe hat die Hypo Alpe Adria besonders gerne finanziert. Doch jetzt stellt sich heraus: 400 Yachten sind einfach weg. Ein Beispiel von vielen, wie die ehemalige Tochter der Bayerischen Landesbank Geld versenkt hat.

Für die BayernLB war der Ausflug nach Kärnten ein teures Vergnügen. In zwei Jahren hat sie 3,7 Milliarden Euro verloren. Wie kann das sein?

Skandalbank Hypo-Alpe Adria

Die Hypo-Alpe Adria ist, als die BayernLB im Mai 2007 einsteigt, wegen ihres Geschäftsgebarens schon lange in den Schlagzeilen. Gegen ihren damaligen Aufsichtsratschef Wolfgang Kulterer wurde wegen Bilanzfälschung ermittelt. Einige Jahre zuvor, noch als Vorstandschef, hatte er Verluste über 328 Millionen Euro verheimlicht. Wirtschaftsprüfer deckten das 2006 auf. Später wurde Wolfgang Kulterer wegen Bilanzfälschung verurteilt.

Damit nicht genug: Im Wiener Parlament lief noch dazu ein Untersuchungsausschuss. Unter anderem prüfte der Ausschuss bei der Hypo Alpe Adria: "Verdächtige Vorgänge", "unrichtige Bilanzdarstellungen" und den "Vorwurf der Geldwäsche".  

Trotzdem: Im Mai 2007 stieg die Landesbank bei den Kärntnern ein. Die Bayern wollten die Märkte in Osteuropa erobern. Chef der Landesbank war damals Werner Schmidt: Hätte er angesichts solcher - wirklich öffentlich bekannter Informationen - nicht höllisch aufpassen müssen? Prof. Wolfang Gehrke, Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums, meint:

Zitat:

"Die Strategie, in diese neuen Märkte hineinzukommen, war zu diesem Zeitpunkt 2006, 2007 extrem wichtig. Aber dann darf man doch nicht den ökonomischen Sachverstand plötzlich abschalten. Eine solche Strategie macht nur Sinn, wenn man in Zukunft dann auch Geld verdienen kann. Und Geld verdienen kann ich nur mit einem Institut, das in der Lage ist, Bankgeschäfte zu betreiben und wo einen die Vergangenheit nicht einholt mit Abschreibungen, die man machen muss, mit Vorwürfen, die man noch am Hals hat, zur Geldwäsche und zu anderen dubiosen Geschäften."

Gravierende Gesetzesverletzungen

Die dubiosen Geschäfte der Hypo Alpe Adria hatten sogar die Finanzmarktaufsicht auf den Plan gerufen. Monatelang waren die Prüfer der Österreichischen Nationalbank vor Ort - auch während der Kaufverhandlungen. In einem vertraulichen Bericht, der Geld & Leben  vorliegt, benennen die Prüfer eine ganze Reihe "wesentlicher Gesetzesverletzungen". Die Prüfer bemängeln unter anderem die  "Unterschreitung der Eigenmittelkoeffizienten auf Konzernebene", sie weisen auf Verletzungen der "Sorgfaltspflichten im Rahmen der Geldwäschebestimmungen" hin und sie stellen "Falschmeldungen bezüglich der Eigenmittel" fest. Und als "sehr schwerer Mangel" wird von den Prüfern die "Negierung der Kontrollinstrumente" angesehen, insbesondere im "Risikomanagement". Das Kreditrisiko sei oft nicht geprüft worden, im Jahr 2006 wäre das sogar bei 54 Prozent der Kredite der Fall gewesen.

Trotzdem hatte es die Landesbank mit dem Kauf der Hypo Alpe Adria extrem eilig. Am 22. Mai 2007 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet. Nur drei Tage später datiert der verheerende Bericht der österreichischen Nationalbank. Warum wartete die BayernLB, die von der Nationalbank-Prüfung wusste, den Bericht nicht ab? Zu den Vorgängen will sich die Landesbank gegenüber Geld & Leben nicht äußern.

Ein Mitglied des Haushaltsausschusses des Landtags, Eike Hallitzky, erinnert sich, wie der Freistaat als Mit-Eigentümer mit dem Prüfbericht umging:

Zitat:

"Offiziell informiert über den Finanzminister worden sind wir, wenn ich mich recht entsinne, zwei Monate nach dem Kauf erst, als der Bayerische Finanzminister unter dem Verweis auf den ja desaströsen Prüfbericht der Österreichischen Bankenaufsicht den runterspielte und sagte, die wären nur neidisch, dass wir so einen tollen Kauf gemacht haben, und man soll Bericht nicht ernst nehmen."

Überhöhter Preis

Zu schnell und zu unüberlegt gekauft? Darauf deutet auch die Untersuchung der Wirtschaftsprüferin Corinna Linner hin. Im Auftrag der Staatsregierung hat sie die Umstände des Geschäfts durchleuchtet. In ihrem Bericht weist sie darauf hin: Die "Risikolage" sei "nicht abschließend geprüft" worden. Hinzu kommt: Laut des Berichts von Corinna Linner taxierten die von der Landesbank beauftragten Prüfer im Rahmen der sogenannten Due Diligence den Wert der Hypo Alpe Adria auf 2,4 Milliarden Euro. Aus dem letztlich gezahlten Kaufpreis errechnet sich aber ein Unternehmenswert von 3,2 Milliarden.
 
Legten die Bayern in Kärnten also zuviel Geld auf den Tisch? Der damalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider sah es so. In einer Mitteilung an alle Kärntner Haushalte schrieb er: "Das Verhandlungsergebnis liegt bei 3,25 Mrd. Euro und damit höher als die Hypo tatsächlich wert ist."

Der Einstieg von Tilo Berlin bei der Hypo Alpe Adria

Haben die Kärntner den Bayern also einen Bären aufgebunden? Und wer hat von dem Geschäft profitiert? Wir gehen dieser Frage nach und treffen auf Tilo Berlin, einen alten Bekannten des damaligen Landesbank-Chefs Schmidt. Die beiden saßen einst gemeinsam im Vorstand der Landesbank Baden-Württemberg. Dann wurde Berlin privater Vermögensverwalter. Für eine Gruppe von Investoren erwarb er ab Ende 2006 Anteile der Hypo Alpe Adria, insgesamt 25 Prozent für ungefähr 650 Millionen Euro. Das Paket verkaufte er an die BayernLB für 815 Millionen Euro. Der Gewinn dürfte bei circa 165 Millionen Euro gelegen haben. Und das innerhalb von sechs Monaten!

Tatsache ist: Die Landesbank hat Tilo Berlin zum Teil beim Einstieg bei der Kärntner Bank mit Krediten unterstützt. Und Tilo Berlin hat damals öffentlich betont, dass er seine Anteile nur an den BayernLB Chef verkaufen würde. Und schließlich: Als Werner Schmidt 2008 die Landesbank verlassen musste, versorgte ihn Tilo Berlin, nun Chef der Hypo Alpe Adria, mit einen Beratervertrag. Dafür kassiert Werner Schmidt ein Honorar von 50.000 Euro.

Mittlerweile ist Werner Schmidt im Visier der Staatsanwaltschaft München. Wegen des Verdachts der Untreue ermittelt sie. Auf unsere Nachfragen reagieren weder Werner Schmidt noch Tilo Berlin.

Fazit: Der kurze und verlustreiche Ausflug der BayernLB nach Kärnten ist voller Ungereimtheiten. Jetzt sind der Bayerische Landtag und die bayerische Justiz gleichermaßen gefordert, den kostspieligen Trip vollständig aufzuklären.

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