09.02.2010
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Immer wieder machen brutale Jugendliche Schlagzeilen. Mit Projekten zur Gewaltprävention könnten solche Übergriffe verhindert werden. Ein Beispiel: die Straßenfußballliga in Giesing. Das Erfolgsprinzip: regelmäßige Spieltage, klare Ansagen, Verantwortung für das eigene Handeln.
Von Maike Bandmann
Stand: 21.09.2009
Die Bank am Bolzplatz - das ist der Lieblingsplatz von Bäckerlehrling Manuel, 16 Jahre, und irgendwie auch sein zweites Zuhause. Jeden Tag kommt er nach der Arbeit her und trifft seinen Freund Hakan, 11. Klasse Gymnasium. Rumhängen, quatschen, Musik hören - Alltag in Giesing. Nur sonntags ist langweilig, weil niemand da ist. Die meisten sitzen zu Hause und spielen mit ihren Konsolen.
Heute ist Sonntag - aber glücklicherweise auch Spieltag. Seit einem halben Jahr spielen Manuel und Hakan bei der Straßenfußballliga "Bunt kickt gut" mit. Altersklasse U19. Und heute geht es um was. Wenn sie verlieren, sind sie in der zweiten Liga.
Sieben Mannschaften müssen sich heute für die Liga qualifizieren. Die "Giesing Allstars" müssen noch warten. Zeit für eine Besprechung mit ihrem Trainer Thilo Heinemann. Taktik ist für die Jungs etwas völlig Neues - doch wenn der Kopf bestimmt, sind die Emotionen unter Kontrolle. Wenn man sich reizen lässt, sich von der Bahn abbringen lässt, dann ist man automatisch auf der Verliererstraße, so Tilo Heinemann, Streetfootballworker "Bunt kickt gut".
Bevor es losgeht, werden die Regeln geklärt. Rüdiger Heid ist der unangefochtene Chef der Liga. Vor zwölf Jahren hat er "Bunt kickt gut" gegründet. Heute ist die Straßenfußballliga eines der meist gelobtesten Projekte zur Gewaltprävention. Das Erfolgsprinzip: regelmäßige Spieltage, klare Ansagen, Verantwortung für das eigene Handeln.
"Mit diesem Projekt, mit dieser Arbeit, diese Teams zusammenzubringen, zeigen wir: Wir machen was für euch. Wir haben Respekt vor eurer Art, vor eurem Wesen, vor eurer Kultur. Ihr bekommt Anerkennung. Und das lässt sich nur durch ein kontinuierliches sich Wiederbegegnen vermitteln. Dadurch entsteht eine große Familie, die Orientierung schafft, die den Halt geben kann, der vielen Jugendlichen fehlt."
Der erste Gegner der Giesing Allstars sind die Balkan Boys aus dem Stadtteil Hasenbergl, klare Favoriten in der Liga. Es läuft nicht gut für "Bunt kickt gut". Das Endergebnis, 4:1 für die Balkan Boys.
Jakob überlegt aufzuhören. Die Gegner haben ihn zu sehr mit unfairen Sprüchen genervt. Die Kanack Attack aus Garching haben schon gelernt, mit ihrem Frust umzugehen. Seit einem Jahr spielen sie jetzt schon bei "Bunt kickt gut" mit. Sie glauben an das Projekt.
"Weil Du wegkommst von dem ganzen Streit. Du merkst, wo Du Spaß hast, wo Du keinen Spaß hast. Beim Fußball habe ich immer Spaß, da bin ich von der aggressiven Seite weg. Da lenke ich mich ab, da lache ich bloß die ganze Zeit. Wenn ich auf Festen bin, die Leute saufen, da kommt die Aggressivität wieder. Das ist gar nicht gut."
Zweites Spiel der Giesing Allstars. Jakob spielt wieder mit. Diesmal heißen die Gegner Fredl Fighters aus Neaubing. Dann am Ende der ersten Halbzeit: Jakob verlässt frustriert das Spielfeld. Der Grund für seine Wut: Die Sprüche von seinen Teamkameraden. Jakob kann schwer verlieren.
"Die Jungen sind da immer sehr extrem. Sie laufen praktisch vor Unangenehmem davon, anstatt sich damit auseinandersetzen und nach einer Lösung zu suchen. Das bekommt man von heute auf morgen nicht hin. Das ist ein langwieriger Prozess. Die kommen immer wieder damit in Konflikt."
Die Giesing Allstars müssen sich eben noch zusammenraufen. Die Hauptsache ist, dass sie dabei bleiben. Denn bei "Bunt kickt gut" lernen sie etwas fürs Leben.
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