29.07.2010
Direkt zu ...
Er floh vor den Japanern, kam über China nach Bayern. Er hatte Kontakt mit dem Umfeld der Geschwister Scholl und landete 1946 mit seinen Jugenderinnerungen "Der Yalu fließt" einen Überraschungserfolg auf dem deutschen Buchmarkt: Mirok Li, ein Münchner aus Korea.
Stand: 12.08.2008
Anfang August fiel in Korea die erste Klappe zu einem außergewöhnlichen Dreiteiler, den der Bayerische Rundfunk mit dem koreanischen Sender SBS und dem koreanischen Produzenten Starmax koproduziert.
Von Korea nach Bayern
Bildunterschrift: Der Koreaner Mirok Li, 1933
Unter der Regie von Jonghan Lee wird das Leben von Mirok Li erzählt, einem Koreaner, der 1919 als Zwanzigjähriger aus dem von Japan besetzten Korea flüchten musste, nachdem er in Seoul in Studentenrevolten involviert war. Über Shanghai kam Mirok Li 1920 nach Deutschland. Er fand im Kloster Münsterschwarzach Aufnahme. Später studierte er Medizin und Biologie in Würzburg, Heidelberg und München. In München kam er mit Prof. Huber und dem Umfeld der "Weißen Rose" in Berührung. Mirok Li arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 1950 als Lektor für ostasiatische Kultur an der Universität München. Seine 1946 unter dem Titel "Der Yalu fließt" veröffentlichten Jugend- und Kindheitserinnerungen waren ein Überraschungserfolg auf dem damaligen Buchmarkt. Auszüge daraus wurden sogar in deutschen Schulbüchern veröffentlicht.
Botschafter zwischen den Kulturen
Bildunterschrift: Hauptdarsteller Byok Song Woo
Mirok Li, der "Münchener aus Korea", der mit Hilfe von Gottfried Kellers Roman "Der grüne Heinrich" Deutsch gelernt hat und später sogar Bayerisch sprach, war durch sein Leben und Schreiben ein Kulturvermittler zwischen Korea und Deutschland. Er brachte einer jungen deutschen Generation das ostasiatische Denken nahe und fand nach der Flucht aus Korea in Bayern eine zweite Heimat. Über seine beiden Heimatländer schrieb er einmal: "Die Koreaner sind die Deutschen Asiens und die Deutschen sind die Koreaner Europas." Seine Lieblingsidee, in Korea ein deutsches Kulturinstitut zu gründen, konnte er nicht mehr in die Tat umsetzen. Mirok Li starb nach schwerer Krankheit 1950 in München. Er ist auf dem Gräfelfinger Friedhof begraben.
Das Filmprojekt "Der Yalu fließt"
Die Hauptrolle des älteren Mirok Li übernimmt in dem Dreiteiler mit dem Titel "Der Yalu fließt" Byok-Song Woo, ein in Korea geborener Schauspieler und Opernsänger, der in München lebt. Den jugendlichen Mirok Li spielt der in Frankfurt geborene und aufgewachsene Sung-Ho Choi, der in Korea an der Chung An Universität Schauspiel studiert hat und schon viele Auftritte im koreanischen Fernsehen hatte. Die deutschen Rollen sind mit Unterstützung des Goethe Instituts Seoul über Internet vorgecastet worden. Das finale Casting der größeren deutschen Rollen fand dann in München statt. Dabei mussten für die weiblichen Rollen "Eva" (Mirok Lis Heidelberger Bekannte, die mit ihm zusammen nach München ging) und "Rosa" (eine Münchener Studentin der Ostasienkunde) Schauspielerinnen gefunden werden, die bereit waren, etwas Koreanisch zu lernen.
Bildunterschrift: Die Drehbuchautorin Hye-Seon Lee, der Regisseur Jonghan Lee und die BR-Redakteurin Dr. Stephanie Heckner
Prof. Huber wird von Roland Pfaus gespielt, der in der Serie "Marienhof" eine durchgehende Rolle hat. Auch eine Darstellerin aus "Dahoam is Dahoam", Daniela März, spielt in der Koproduktion mit. Die Dreharbeiten finden in Korea, China und in Deutschland in deutscher und koreanischer Sprache statt. Die Organisation der deutschen Dreharbeiten liegt bei der Klaus Naumann Filmproduktion München. Gedreht wird im Oktober 2008 in Heidelberg, Münsterschwarzach, München und Gräfelfing. Die deutschen Innenszenen werden größtenteils in Korea im Studio entstehen.
Diese Koproduktion schlägt Brücken zwischen der deutschen und der koreanischen Sprache, zwischen Seoul und München, Korea und Bayern, so wie es Mirok Li mit seinem Schreiben und Leben getan hat.