10.02.2010
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Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat im Streit um den Holocaust-Leugner Richard Williamson Papst Benedikt XVI. in Schutz genommen. Manche hätten nur darauf gewartet, "hier dem Papst etwas unterstellen zu können", so Müller. Williamson, Bischof der Piusbruderschaft, hatte in einem Fernsehinterview den Holocaust geleugnet.
Stand: 29.01.2009
Die vom Papst vorgenommene Aufhebung der Exkommunikation und die Empörung über Williamsons Leugnung der Shoah seien "zwei verschiedene Vorgänge", die voneinander getrennt betrachtet werden müssten, sagte Müller der "Passauer Neuen Presse". Weder sachlich noch von der persönlichen Kenntnislage des Papstes hätten sie etwas miteinander zu tun. Der Papst war in den vergangenen Tagen in die Kritik geraten, weil er die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbruderschaft aufgehoben hatte. Unter ihnen ist auch der Brite Williamson, gegen den die Regensburger Staatsanwaltschaft ermittelt.
Während der Generalaudienz in Rom hatte Papst Benedikt XVI. am Mittwoch Stellung bezogen. Er stellte sich nachdrücklich gegen eine Leugnung des Holocausts und bekräftigte seine volle Solidarität mit den Juden. Deren Vernichtung sei "ein Mahnmal gegen jedes Vergessen und Leugnen", so das Oberhaupt der katholischen Kirche.
Bildunterschrift: Bischof Richard Williamson
Bischof Müller bekäftigte zugleich das Hausverbot, das er gegen Williamson in allen Einrichtungen der Diözese Regensburg ausgesprochen hatte. Williamsons Äußerungen seien "zutiefst menschenverachtend", sagte Bischof Müller. Der britische Bischof zeige eine "innere Fremde zum Gottesglauben der Kirche" und beweise damit "den Gipfel der Unmenschlichkeit", so Müller am Dienstagabend bei einer Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust in der Alten Kapelle in Regensburg. Müller hatte kurzfristig die Mitfeier der Gedenkstunde zugesagt, "um seine tiefe Verbundenheit und Freundschaft zur Jüdischen Gemeinde Ausdruck zu verleihen", teilte das Bistum mit.
Bildunterschrift: Charlotte Knobloch
Als Reaktion auf die Holocaust-Äußerungen von Williamson und die Wiederaufnahme in die katholische Kirche hat die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, den Dialog mit der katholischen Kirche vorerst abgebrochen. Zuvor hatte bereits das Rabbinat alle offiziellen Beziehungen zum Vatikan ausgesetzt. Es verlangt eine Entschuldigung von Benedikt XVI. Die für Mai geplante Reise des Papstes ins Heilige Land ist unter den derzeitigen Vorzeichen höchst unwahrscheinlich.
Da das Interview mit Williamson in Zaitzkofen im Landkreis Regensburg aufgenommen wurde, ermittelt die Regensburger Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung gegen den Bischof. Die Dauer der Ermittlungen sei noch nicht absehbar, da diese noch ganz am Anfang stünden, so der Leitende Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel.
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Unterdessen hat der Generalobere der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, Williamson ein Redeverbot erteilt. Fellay sagte, er habe dem britischen Bischof "bis auf weiteres jedwede öffentliche Stellungnahme zu politischen oder historischen Fragen" untersagt: "Wir bitten den Heiligen Vater und alle Menschen guten Willens um Entschuldigung für den dadurch hervorgerufenen Ärger", sagte Fellay. Die Äußerungen Williamsons gäben "in keiner Weise" die Haltung der Piusbruderschaft wieder.
1988 waren vier Bischöfe ohne Zustimmung des Papstes vom ultrakonservativen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre zu Bischöfen geweiht worden und wurden deshalb exkommuniziert. Mit ihrer Rehabilitierung ist Benedikt XVI. einen Schritt auf die von Lefevbre gegründete Priesterbruderschaft Pius X. zugegangen - einen Schritt zu weit, wie Kritiker sagen.
Williamson hatte behauptet, die historische Evidenz spreche gegen die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden.