09.02.2010
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BMW-Erbin Susanne Klatten hat vor dem Augsburger Landgericht einen Prozess gegen ihren Erpresser gewonnen. Der bereits zu sechs Jahren Haft verurteilte Schweizer Helg Sgarbi soll insgesamt 9,4 Millionen Euro zurückzahlen.
Stand: 27.11.2009
Nach einer Entscheidung des Gerichts muss Sgarbi die erpresste Summe bis auf den letzten Euro plus Zinsen zurückerstatten. 30 Jahre lang kann Klatten das Geld zurückfordern, das sie Sgarbi gegeben hatte. Von den 9,4 Millionen Euro, die der Schweizer zahlen soll, sind sieben Millionen für die Klägerin, den Rest erstritten ihre Anwälte für zwei andere von Sgarbi geschädigte Frauen.
Sgarbi war am 9. März vom Landgericht München I wegen versuchter gewerbsmäßiger Erpressung und gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt worden. Der Prozess dauerte nur wenige Stunden, der Andrang von Medienvertretern und Zuschauern war hingegen so groß wie selten an diesem Gericht. Mit seriösem schwarzen Dreiteiler, schwarzer Brille, etwas bleich um die Nase, aber gefasst hatte sich Sgarbi den Kameras gestellt.
Gleich zu Prozessbeginn ließ er seinen Anwalt, Egon Geis, ein umfassendes Geständnis verlesen: Sgarbi räume ein, vier wohlhabende Frauen um insgesamt 9,4 Millionen Euro betrogen und erpresst zu haben. Der Angeklagte selbst erklärte, er "bedauere das Vorgefallene zutiefst" und entschuldige sich, "in aller Öffentlichkeit bei den geschädigten Damen." Wo das Geld geblieben ist und ob es Mittäter gab - dazu machte Sgarbi keine Angaben.
"In der Schweiz ist einfache Lüge kein Betrug."
Sgarbis Verteidiger Till Gontersweiler aus Zürich
Die Staatsanwaltschaft hatte ein weit weniger mildes Urteil gefordert: neun Jahre Gefängnis. Der Angeklagte könne mit dem Urteil "sehr zufrieden sein", meint Oberstaatsanwalt Winkler. Und tatsächlich liegt das Urteil nicht weit von der Forderung der Verteidigung entfernt. Sie hatte für eine Haftstrafe "um die fünf Jahre" plädiert.
Der Vorsitzende Richter hat es Sgarbi strafmildernd angerechnet, dass es die Frauen dem gewerbsmäßigen Liebhaber auch leicht gemacht hätten: "Eine gewisse Leichtfertigkeit der Opfer kann nicht verkannt werden", so Wolf.
Welche Rolle bei den Liebesbetrügereien ein italienischer Autohändler und angeblicher Sektenführer gespielt hat, wurde im Münchner Prozess nicht aufgeklärt. Laut Medienberichten hat Sgarbi das Geld nicht für sich selbst gebraucht, sondern an den 63-jährigen italienischen Guru Ernano B. weitergeleitet. So waren auf dem Grundstück des Italieners in den Abruzzen rund eine Million Euro gefunden worden, die aus der Beute Sgarbis stammen sollen.
Ernano B. soll sich im Fall Klatten auch als Komplize von Sgarbi betätigt haben und das Material, mit dem Klatten angeblich erpresst wurde, heimlich von einem benachbarten Hotelzimmer aus gefilmt haben. Derzeit steht B. in seinem italienischen Wohnort unter Hausarrest. Ihm wird am 24. März im italienischen Pescara der Prozess gemacht. Der Vorwurf: Bildung einer kriminellen Vereinigung.
Die 46-jährige BMW-Erbin und Milliardärin Susanne Klatten war dem heute 44-jährigen Schweizer laut Anklage im Juli 2007 in einem Kur-Hotel für Superreiche nahe Innsbruck begegnet und ließ sich nach anfänglichem Widerstand von dem Proficharmeur erobern und reinlegen. Sieben Millionen Euro soll sie ihrem Liebhaber gezahlt haben - als Darlehen. Erst als ihr Liebhaber weitere Millionen für seinen Lebensunterhalt wollte, wachte Klatten offenbar auf und beendete die Beziehung. Zu spät. Jetzt erpresste Sgarbi laut Anklage die öffentlichkeitsscheue Milliardärin mit kompromittierenden Videos ihrer intimen Treffen. Angeblich wollte er 49 Millionen haben. Da entschloss sich Klatten, zur Polizei zu gehen.
Bildunterschrift: Susanne Klatten - mit Bayerischem Verdienstorden
Die 46-jährige Susanne Klatten gilt als die reichste Frau Deutschlands. Im Oktober vergangenen Jahres hat das "Manager Magazin" ihr Vermögen auf 7,8 Milliarden Euro geschätzt. Die Tochter von Herbert Quandt und dessen dritter Frau Johanna erbt nach dem Tod des Vaters 1982 gemeinsam mit ihrem Bruder Stefan einen Großteil des Vermögens. Dadurch wird sie Großaktionärin von BMW - gemeinsam mit Mutter und Bruder hält sie 46,6 Prozent der Wertpapiere. Die gelernte Werbekauffrau und Betriebswirtin ist außerdem Hauptaktionärin des Chemie-Unternehmens Altana und hält Anteile am Windturbinenhersteller Nordex. Verheiratet ist sie mit Jan Klatten, den sie während eines Praktikums bei BMW kennenlernte - und das sie unter dem Pseudonym Susanne Kant absolvierte. Das Paar hat drei Kinder.
Medienberichten zufolge hat Sgarbi das lukrative Liebesgeschäft mit reichen Frauen offenbar schon länger betrieben. Vor sechs Jahren soll er schon einmal wegen eines ähnlichen Falls zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden sein. Außerdem soll er 2001 einer über 80-jährigen Comtesse die Ehe versprochen und ihr hohe Geldsummen abgeluchst haben.
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