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09.02.2010


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Studentenproteste Tausende Hochschüler auf der Straße

Keine Pfiffe, keine fliegenden Eier, nur empört verschränkte Arme und eloquente Widerworte: Am Montag hatte sich Wissenschaftsminister Heubisch in die Höhle des Löwen, das Münchner Audimax, gewagt. Weitreichende Zugeständnisse machte er nicht, weshalb die Studenten wieder auf die Straße gegangen sind - in München, Regensburg und Nürnberg.

Stand: 25.11.2009

Studenten halten Transparent "Bildung! Wir hoffen auf Auferstehung!" in Nürnberg

In Regensburg beteiligten sich 1.500 Schüler und Studenten an den Protesten. Sie zogen mit lauter Musik und Trillerpfeifen durch die Innenstadt. Auch zwei Hörsäle sollen weiter besetzt bleiben. Seit einer Woche verbringen rund 120 Regensburger Studenten auch die Nächte in der Uni. In Nürnberg haben Studenten die Bildung in einem schwarzen Sarg symbolisch zu Grabe getragen. Auch die Münchner Studenten gingen wieder auf die Straße. Etwa 2.000 Hochschüler demonstrierten auf dem  Odeonsplatz und forderten die Staatsregierung auf, ihre Proteste ernstzunehmen. Damit reagierten sie auf die starre Haltung von Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP).

Studenten kämpfen gegen Basta-Politik

Am Montag hatte der Minister sich in die Höhle des Löwen gewagt und im bis auf den letzten Stehplatz besetzten, 900 Menschen fassenden Audimax der LMU München mit den Studenten diskutiert. Doch er ließ sich nicht einschüchtern: Die Studiengebühren bleiben, wiederholte er fast stoisch. "Sie können Ihr Basta noch tausend Mal wiederholen. Unser Protest wird länger Bestand haben als Ihr Basta", drohte der Sprecher der Landesastenkonferenz Bayern, Malte Pennekamp, daraufhin.

Heubischs Argumente für die Studiengebühren: Heute studierten in Bayern ein Drittel mehr Studenten als in der Zeit vor den Studiengebühren, und die Gebühren hätten nachhaltig zur Verbesserung der Studienbedingungen beigetragen.

Minischritt Richtung Mitbestimmung

Eher verhandlungsbereit hatte sich Heubisch bei zwei anderen Forderungen gezeigt, die die Studenten durchsetzen wollen - mehr Mitspracherechte für die Studenten an den Universitäten und Nachbesserungen bei den neuen Master- und Bachelor-Studiengängen.

Die Studierenden in Bayern pochen auf mehr Mitbestimmung durch landesweite Studierendenvertretungen, wie es sie in allen Bundesländern außer in Bayern und Baden-Württemberg bereits gebe. Er werde sich das Mitbestimmungs-Modell in Nordrhein-Westfalen ansehen, versprach Heubisch. Ob den Worten Taten folgen, bezweifeln die Studenten: "Bis das kommt, habe sogar ich graue Haare", erwidert ein Student ernüchtert.

Studentenvertretung

Abschaffung der Verfassten Studentenschaften

Nach den Studentenunruhen der 1960er Jahre versuchte die Politik, eine weitere politische Betätigung der Studierenden zu beschränken. 1974 wurde die Verfasste Studentenschaft (VS), also die selbstverwaltete, öffentlich-rechtliche Vertretung von Studierenden, weitestgehend abgeschafft. An ihre Stelle trat eine Vertretung ohne Recht zur Selbstverwaltung.

Parlament der Studierenden

Die Studierendenvertretungen werden über die Fachschaften organisiert. In München setzt sich so beispielsweise der sogenannte Konvent der Fachschaften zusammen. Er ist quasi das Parlament der Studierenden, hat aber weniger Kompetenzen als eine verfasste Studentenschaft.

Das fordern die Studenten

  • Studierendenvertretungen sollen bundesweit den Status verfasster Studentenschaften haben, mit einem politischen Mandat und der Entscheidungsgewalt über ihre finanziellen Mittel.
  • Die Staatsregierung soll sich dafür einsetzen, dass landesweite Studierendenvertretungen auch auf Bundesebene als verfasste Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt werden.
  • Alle Entscheidungsgremien an den Hochschulen sollen nach einer sachbezogenen Viertelparität neu gegliedert werden. Dementsprechend sollen die vier Gruppen der Universität (Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, sonstige an der Hochschule tätige Beamte, Studenten) gleichberechtigt sein.

Heubisch verzweifelt: "Was soll ich denn noch mehr sagen?"

Wenig überzeugt zeigten sich die Studenten auch von Heubischs Zusagen in Sachen Reform der Bachelor- und Masterstudiengänge. Er zeigte sich kompromissbereit und signalisierte, überflüssige Studieninhalte aus dem Lehrplan werfen zu wollen. Das reicht den Studenten nicht. Sie kämpfen unter anderem gegen die zunehmende Verschulung des Studiums und gegen chronische Überfüllung in den Hörsälen. Im Bombardement der Argumente verzweifelt der Minister fast: "Ich habe gesagt, dass ich das einsehe! Was soll ich denn noch mehr sagen?"

Studienabschlüsse - neu und alt
 
Bachelor

Bachelor

Im Zuge des Bologna-Prozesses wurde ein zweistufiges Studiensystem mit den Abschlüssen Bachelor (B.A.) und Master (M.A.) eingeführt. Die Regelstudienzeit beträgt für einen B.A. mindestens drei und höchstens vier Jahre. Die Studenten sind darauf angewiesen, möglichst schnell viele Punkte, die sogenannten Credit Points, zu sammeln.

Master

Master

Erst nach dem Bachelor-Abschluss kann ein Master-Studium erfolgen. Dieses dauert mindestens ein Jahr und höchstens zwei Jahre. Ein Notendurchschnitt von 2,5 oder besser ist Voraussetzung dafür, um zum Masterstudiengang zugelassen zu werden. Kritiker bemängeln, dass nicht genügend Masterstudienplätze bereitgestellt werden.

Diplom/Magister

Diplom/Magister

Die bisherigen Abschlüsse Diplom und Magister verschwinden ab 2010 zugunsten von Bachelor und Master, um eine bessere Vergleichbarkeit und mehr Mobilität im europäischen Hochschulraum zu gewährleisten. Diplom- und Magisterabschlüsse an Universitäten und Hochschulen entsprechen dem M.A.

Staatsexamen

Staatsexamen

Die Studiengänge mit Staatsexamen sind in jedem Bundesland einheitlich geregelt. Die Lehramtsstudiengänge sind - mit Ausnahme im Fach Theologie - in den meisten Bundesländern bereits auf B.A. und M.A. umgestellt. Das klassische Jura-Studium mit Staatsexamen und Referendariat ist bis auf wenige Ausnahmen noch nicht umgestellt - mehrere Länder sprechen sich aber dafür aus. Beim Medizinstudium gibt es noch keinen anerkannten gestuften Studiengang.

Proteste in Österreich und Deutschland

In München, Würzburg, Coburg und Regensburg sind Hörsäle teilweise seit zwei Wochen in der Hand von Studenten.  Ihren Anfang hatte die Protestbewegung in Österreich genommen. Dort blockieren Studenten seit Wochen zahlreiche Universitäten. In Deutschland sollen die Studierenden zwischenzeitlich Hörsäle an mehr als 50 Hochschulstandorten besetzt haben. Sie folgen damit der bundesweiten Initiative "Bildungsstreik 2009". Am Dienstag, 14.11., gingen bayernweit Tausende Schüler und Studenten auf die Straße, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

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