09.02.2010
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Die Befürworter des S-Bahn-Südrings wollen eine Vorentscheidung für den Bau eines zweiten Tunnels nicht kampflos hinnehmen und erwägen einen Bürgerentscheid. "Wir warten jetzt erst einmal die Entscheidung des Landtags Ende Januar ab", sagte Verkehrsplaner Thomas Kantke dem Bayerischen Rundfunk.
Stand: 17.11.2009
"Sollte sich der Landtag für den zweiten Stammstrecken-Tunnel entscheiden, dann bin ich der Meinung, dass wir im Februar ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen sollten", sagte Kantke, der zusammen mit zwei weiteren Partnern das Konzept des Südring-Ausbaus entwickelt hatte. Unterstützung erhofft er sich bei dem Bürgerbegehren von der Stadtratsfraktion der Grünen. Die Information der Bevölkerung bei diesem Thema werde aber schwierig, da es sich um ein höchst komplexes Thema handele.
Rein formal muss laut Kantke der Bayerische Landtag über den Streckenausbau entscheiden. Politisch habe es die Stadt München aber durchaus in der Hand zu sagen, sie wolle keinen zweiten Stammstrecken-Tunnel.
Am vergangenen Montag hatten Oberbürgermeister Christian Ude und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) ein Gutachten vorgestellt, das eindeutig einen zweiten Stammstrecken-Tunnel favorisiert. Dabei sagte Wirtschaftsminister Zeil: "Der zweite S-Bahn-Tunnel ist alternativlos." Die Südringlösung ist nach den Ergebnissen des Gutachtens unwirtschaftlich.
S-Bahnausbau: Münchner S-Bahn-Ring offenbar chancenlosDer Streit um den Ausbau der S-Bahn geht weiter. Nach dem neuen Gutachten hat sich das bayerische Wirtschaftsministerium für eine zweite Stammstrecke unter der Innenstadt ausgesprochen. Die Anhänger der Alternative -eines Ausbaus des bestehenden Bahn-Südrings - wollen aber nicht aufgeben.
Die Berechnungen des Gutachtens gehen nach Kantkes Angaben von einem Maximalausbau des Südrings von bis zu sechs Gleisen aus. Dann wären zusätzliche Bauwerke notwendig, die die Sache extrem teuer machten. Verwunderlich ist für Kantke aber, dass bei der unterirdischen Tunnellösung Planungskosten von 70 Millionen Euro angesetzt wurden, während bei der oberirdischen Südringlösung die Planungskosten auf 181 Millionen Euro geschätzt wurden.
Auch die Behauptung, die Bauarbeiten würden sich dann bis zum Jahr 2023 hinziehen, wäre ein "worst case hoch drei". Der Südring-Vollausbau könnte ebenfalls bis Ende 2017 abgeschlossen sein. Kantke rechnet nicht mit den im Gutachten genannten Kosten von 1,3 Milliarden, sondern lediglich von rund 600 Millionen Euro. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die DB Netz kooperativer als bisher zeige und bestimmte Gleise auch für den S-Bahn-Verkehr zur Verfügung stelle.
Von einem zweiten Stammstrecken-Tunnel erhoffen sich die Verantwortlichen der Deutschen Bahn vor allem eine Reduzierung der Störanfälligkeit des S-Bahn-Systems. Auf der Stammstrecke zwischen Laim und dem Ostbahnhof fahren sämtliche Linien. Bei einer Panne in diesem Bereich warten dann Zehntausende auf ihre Züge. An einem Werktag nutzen bis zu 800.000 Fahrgäste die Züge auf der S-Bahn-Stammstrecke. Neben einer geringeren Störanfälligkeit geht das Gutachten auch von bis zu 49.000 zusätzlichen Fahrgästen an einem Werktag aus.
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