BR-online (zur Startseite)
Bayerischer Rundfunk

21.11.2009


BR-Navigation


Aktuell



Inhalt

Priesterweihe in Zaitzkofen Piusbruderschaft verteidigt sich

Noch im Frühjahr hatte der Papst der erzkonservativen Pius-Bruderschaft durch die Aufhebung von Exkommunikationen die Hand gereicht. Doch die Traditionalisten setzen sich weiter über kirchliche Regeln hinweg. Am Samstag weihten sie gegen den Willen des Vatikans drei Priester in Zaitzkofen bei Regensburg und die Bruderschaft verteidigte sich.

Stand: 28.06.2009

Priester der Bruderschaft St. Pius

Pater Stefan Frey nahm gleich zu Beginn der Messe Stellung gegenüber den Gegnern der Priesterweihe. Es gebe eine Notsituation angesichts der Krise des Glaubens in der Kirche und der Krise des Priestertums. Deshalb sei es die Gewissenspflicht der Pius-Brüder, die Priesterausbildung nach den Maßstäben der Zweitausendjährigen Tradition fortzusetzen, die mit der Priesterweihe ihren krönenden Abschluss finde. In der Messe wurden ein Schwede, ein Pole und ein Schweizer im Alter von 26 bis 30 Jahren in den Priesterstand aufgenommen. Rund 1.500 Besucher waren beim Gottesdienst dabei.

Kritische Worte von Erzbischof Reinhard Marx

Bei einer Priesterweihe im Freisinger Dom, die zeitgleich mit der Zeremonie der Piusbruderschaft stattfand, rief der Erzbischof von München und Freising Reinhard Marx zur Kirchentreue auf. Damit kritisierte er indirekt die traditionalistische Piusbruderschaft. Priester sollten "Männer der Kirche, Männer der Treue sein", sagte er. Besonders betonte der Erzbischof: "Priester sollen zusammenarbeiten in der einen Kirche, die ihren Einheitsort, ihren Einheitsbezug hat in der Person des Nachfolgers Petrus."

"Borniertheit" der "Widerspenstigen"

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, in dessen Diözese die Weihen stattfanden, hatte die Bruderschaft im Vorfeld vehement zur Absage der Zeremonie aufgefordert. Dass die Bruderschaft trotz der ablehnenden Haltung des Vatikans an den Weihen festhalte, sei "ein Akt der Widerspenstigkeit und einer gewissen Borniertheit", sagte Müller.

"Klarer Kurs" zum Thema Pius-Priesterweihen

Pius-Bruderschaft

Bildunterschrift: Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller

Im Vatikan gebe es einen "klaren Kurs" in der Einschätzung der anstehenden Weihen, so Müller weiter: "Sie sind unerlaubt." Das Weihesakrament solle der Einheit der Kirche dienen und nicht "Sonderwege oder gar Abspaltungen" rechtfertigen. Verhindern kann Müller die Weihen aber nicht.

Neben Müller hatte auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, Kritik geübt. Er sprach von einem "Affront gegen die Einheit der Kirche". 

Piusbrüder: "Wir wollen nicht provozieren"

Die vom französische Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Piusbruderschaft, die unter anderem die Ökumene, Religionsfreiheit sowie die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnt und "die Verbreitung und Wiederherstellung der authentischen katholischen Lehre" anstrebt, sieht das ganz anders. Man wolle mit der Weihe nicht provozieren, hatte der Medienbeauftragte der Piusbruderschaft, Pater Andreas Steiner, angekündigt. "Wir weihen die Priester ja für die katholische Kirche." Die Bruderschaft hatte den Vorgang bereits zuvor als den besten Dienst "in Zeiten schwerster Glaubensverwirrung und des dramatischen Priestermangels" eingeordnet.

Der deutsche Distriktobere der Priesterbruderschaft Pius X., Franz Schmidberger, erklärte, die Weihen seien gegen niemanden gerichtet, sondern für den Papst und für die Bischöfe. Aber es sei so wie bei Kranken, "die nicht sehen, welche Medizin zu ihrer Genesung beiträgt".

Klarstellung des Vatikans: Weihen illegitim

Das vatikanische Presseamt hatte auf das Vorhaben der Pius-Bruderschaft mit einer Klarstellung reagiert, in der auf einen Brief von Papst Benedikt XVI. vom 10. März an die deutschen Bischöfe verwiesen wurde. Darin betont der Papst: "Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus." Die Priesterweihen seien daher weiterhin als unrechtmäßig anzusehen, heißt es in der Mitteilung. Zugleich wurde den Piusbrüdern in Aussicht gestellt, dass in Kürze die Voraussetzungen für den Beginn des Dialogs mit den Verantwortlichen der Gemeinschaft geschaffen würden.

Vorwurf der Dialogverweigerung

Die Piusbrüder, die zuletzt wegen der Holocaust-Leugnung ihres Bischofs Richard Williamson Schlagzeilen gemacht hatten, warfen den deutschen Bischöfen ihrerseits vor, jeden Dialog zu verweigern und "mit allen Mitteln einen Ausschluss der Bruderschaft aus der Kirche" erreichen zu wollen. Zudem würden in den Priesterseminaren der deutschen Bistümer Thesen gelehrt, die "nicht katholisch sind". Niemand könne verlangen, diese zu übernehmen.

Bereits Priesterweihe in Minnesota

Dass die traditionalistische Bruderschaft Willens ist, die Warnung des Vatikans zu ignorieren, zeigte sich bereits vor Kurzem an der Weihe von 13 Männern zu Neupriestern in Winona im US-Bundesstaat Minnesota. Neben der Weihe in Zaitzkofen, zu der bis zu 2.000 Besucher erwartet werden, unter ihnen auch der Generalobere der Piusbrüder, Bernard Fellay, sollen Ende Juni auch noch im schweizerischen Econe sieben neue Priester durch die Pius-Brüder geweiht werden. Insgesamt wurden in Zaitzkofen nach Angaben der Bruderschaft 105 Männer seit 1981 zu Priestern geweiht.

Pius-Bruderschaft im Fokus

Pius-Bruderschaft

Bildunterschrift: Vor dem Pius-Priesterseminar: Vorbereitungen auf die Weihe

Erst Anfang des Jahres war das Priesterseminar wieder in den Fokus gerückt, als der Vatikan die Exkommunikation des britischen Piusbrüder-Bischofs Richard Williamson und drei weiterer Bischöfe der Bruderschaft rückgängig machte. Fast zeitgleich wurde bekannt, dass Williamson im Herbst 2008 in Zaitzkofen ein Fernsehinterview gegeben hatte, in dem er die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Nazi-Gaskammern bestritt und die Gräueltaten in den Konzentrationslagern stark relativierte. Die Aussagen des Holocaust-Leugners sorgten weltweit für Empörung, nach wie vor ermittelt auch die Staatsanwaltschaft gegen Williamson.

Zur Übersicht: Aktuell
Quelle
  •  
  • RSS
  • Atom

Weitere Informationen

Sendungsinfo
VideoVideo Größer

Piusbruderschaft: Weihe trotz VerbotDas Verbot des Vatikan blieb ohne Wirkung: Die erzkonservativen Pius-Brüder haben im oberpfälzischen Zaitzkofen drei Priester geweiht. Auch die deutschen katholischen Bischöfe hatten die Bruderschaft aufgerufen, auf die Zeremonie zu verzichten.