BR-online (zur Startseite)
Bayerischer Rundfunk

10.02.2010


BR-Navigation


Aktuell



Inhalt

Haberfeldtreiben Mit Trommeln und Ratschen gegen Sonnleitner

Mit einem nächtlichen Fackelzug, lauten Trommeln, Ratschen und Glocken haben mehr als 2.000 Bauern ein Haberfeldtreiben gegen den Verbandspräsidenten Gerd Sonnleitner veranstaltet. Denn sie machen ihn für die niedrigen Milchpreise verantwortlich. Rund 150 Gegendemonstranten aus dem Bauernverband stellten sich auf die Seite Sonnleitners.

Stand: 16.11.2008

Milchbauern in Ruhstorf beim Haberfeldtreiben

Aufgerufen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) protestierten die Bauern im niederbayerischen Ruhstorf, unweit von Sonnleitners Hof. Viele hatten ihre Gesichter geschwärzt und waren mit dunklen Mänteln als Haberer verkleidet. Man sei vom Bauernverband "verraten und verkauft worden", hieß es. Sonnleitner habe den Bauern beim Milchstreik seine Unterstützung zugesagt, sei ihnen aber später wieder in den Rücken gefallen. Kritisiert wurde auch die Entscheidung im Bundesrat, bei der die Milchquote erhöht wurde, also das Gegenteil dessen beschlossen wurde, was die Milchbauern erwartet hatten.

Bauerverband kritisiert persönliche Verunglimpfung

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner umringt von demonstrierenden Bauern

Bildunterschrift: Gerd Sonnleitner kritisiert die "Verleumdung".

Auf Gerd Sonnleitners Bauernhof in Rottersham, einem Weiler gleich neben Ruhstorf, hatten sich rund zwei Stunden vor dem Haberfeldtreiben etwa 150 Kreisobmänner des Bauernverbands verabredet. Mit einer Gegendemo zeigten sie Solidarität mit Sonnleitner und kritisierten das Haberfeldtreiben als unangemessene persönliche Verunglimpfung. Der Präsident des Bauernverbands selbst wandte sich vor allem dagegen, dass man ausgerechnet den bereits im 19. Jahrhundert verbotenen Brauch des Haberfeldtreibens gewählt hatte. Damit seien schon damals Menschen verleumdet worden. Er setze sich für alle Bauern ein, auch für die Milchbauern. "Es kann nicht sein, dass wir uns gegenseitig zerfleischen", meinte der Bauernpräsident.

Streit um die Milchquote

Tradition

Das Haberfeldtreiben war ein Rügegericht, in dessen Verlauf den Beschuldigten in Versform ihre Verfehlungen vorgehalten wurden:

Die Bauern wollen die produzierte Milchmenge beschränken, um so den Milchpreis zu erhöhen. In diesem Anliegen sehen sie sich vom Bauernverband nicht ausreichend unterstützt. Der Streit eskalierte, als vor einer Woche im Bundesrat eine nationale Beschränkung der Milchproduktion gekippt wurde. Die Milchbauern werfen dem Bauernverband vor, er habe zu dieser Entscheidung beigetragen. Der Bauernverband lehnt eine nationale Beschränkung der Milchmenge ab.

Zur Übersicht: Aktuell
Quelle
  •  
  • RSS
  • Atom

Weitere Informationen

Sendungsinfo