21.11.2009
Direkt zu ...
In Bayern will die CSU die grüne Gentechnik nicht haben. Im Bundestag hat sich die Union aber gegen ein Anbauverbot für Genmais ausgesprochen. Dieser Widerspruch treibt Umweltschützer auf die Straße: Mehr als 500 Menschen demonstrierten in Franken gegen den Anbau von Genmais.
Stand: 28.03.2009
Im April ist Saatzeit für Mais. Im fränkischen Landkreis Kitzingen soll dann, nach Angaben des Bundes Naturschutz in Bayern (BN), auf 65 Hektar der gentechnisch veränderte Mais "MON810" der Firma Monsanto ausgebracht werden - auf einer rund zehnmal so großen Fläche wie vergangenes Jahr. Das will ein Aktionsbündnis von Naturschützern, Landwirten, Imkern, Winzern, Politikern und Bio-Firmen verhindern.
Mehr als 500 Teilnehmer demonstrierten am Sonntag bei Iphofen im Landkreis Kitzingen gegen den Anbau von Genmais in Bayern. Die Veranstalter hatten im Vorfeld der Kundgebung mit rund 1.000 Demonstranten gerechnet. Der Landkreis Kitzingen ist der einzige in Bayern, in dem auf privaten Flächen, gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden.
Hubert Weiger vom Bund Naturschutz in Bayern (BN) forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Ministerpräsidenten Horst Seehofer auf, zu handeln, statt nur zu reden. "Der MON 810-Mais muss sofort verboten werden", forderte Weiger. Aigner hatte angekündigt, bis Ende März über ein deutschlandweites Anbauverbot für Genmais entscheiden zu wollen. Bei einer Debatte im Bundestag am Donnerstag hatten sich Abgeordnete der Union und der FDP allerdings gegen einen entsprechenden Antrag der Grünen ausgesprochen. Die Grünen hatten gefordert, den Anbau und Verkauf von gentechnisch veränderten Pflanzen bundesweit zu verbieten. Umweltschützer fordern ein generelles Anbauverbot für genmanipulierte Pflanzen wie es das in Österreich, Ungarn, Griechenland oder Frankreich schon gibt.
Bildunterschrift: Auf rund 65 Hektar soll im Landkreis Kitzingen "MON 810" angebaut werden.
Viele Bauern und Imkern befürchten, dass ihre Ernte durch Genmais-Pollen von naheliegenden Feldern verunreinigt werde. Dann wäre ein Verkauf unter dem Label "gentechnikfrei" nicht mehr möglich. Der BN-Landesbeauftragte Mergner betonte in Iphofen zudem, dass die große Konzerne versuchten, über die Ausbreitung ihres genetisch veränderten Saatgutes und der dazugehörigen Dünger und Pestizide Macht über die Landwirte zu gewinnen.
Inzwischen hat sich in Bayern sogar die Regierung auf die Seite der Genmais-Gegner geschlagen. Erst am Mittwoch hatte Ministerpräsident Horst Seehofer den Naturschützern versichert, dass niemand die grüne Gentechnik in Bayern wolle und Versuchsanbauten nur noch in "geschlossenen Anordnungen" stattfinden sollten.
Bisher sei das aber nur ein frommer Wunsch, sagte Weiger. Handeln müsse jetzt Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Im Sinne des Vorsorgeprinzips dürfe nicht zugelassen werden, was gefährlich sein könne, sagte Grünen-Fraktionschefin und Ex-Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast. Der Antrag zielt vor allem gegen den Genmais "MON810" der Firma Monsanto, der seit Dezember 2005 in Deutschland zugelassen ist.
Die Genmais-Befürworter hatten am Mittwoch eine Argumentationshilfe aus München bekommen. Dort stellte die Technische Universität München das Ergebnis einer Fütterungsstudie mit gentechnisch verändertem Mais "MON810" vor. Das Ergebnis: Die Fütterung von "MON810" ist sicher, so der Leiter der Studie, Heinrich Meyer.
Bildunterschrift: Die Kühe überstanden den Fütterungsversuch unbeschadet.
In der weltweit ersten vergleichenden Studie der Technischen Universität München wurden 18 bayerische Kühe auf dem Versuchsgut Grub zwei Jahre lang mit dem gentechnisch veränderten Mais "MON810" gefüttert. Eine Vergleichsgruppe bekam herkömmlichen Mais zu fressen. Der Genmais produziert ein Insektizid gegen den Schädling namens Maiszünsler, eine Mottenart. Genau dieses giftige Eiweiß haben die Versuchskühe also mit dem Mais gefressen. Gentechnik-Gegner befürchten, dass dieses Insektizid nicht nur dem Maiszünsler, sondern auch Mensch und Tier schadet.
Im Jahr 2005 hatte der Landtag auf Antrag der SPD-Fraktion den Fütterungsversuch beschlossen, der im Mai 2005 startete. Jetzt stellten die Wissenschaftler der Technischen Universität München um Professor Heinrich Meyer die Ergebnisse im Agrar-Ausschuss des Landtags vor. Die Wissenschaftler gaben Entwarnung: Es seien keinerlei Auswirkungen auf die Kühe aufgetreten.
Weder in der Milch noch im Blut der Tiere konnte gentechnisch verändertes Erbgut gefunden werden. Laut Meyer nutzten die Münchner Forscher eine neu entwickelte und sehr empfindliche Methode, um solche Verunreinigungen aufspüren zu können. Die Nachweisgrenzen konnten demnach viel niedriger angesetzt werden als in Studien anderer Wissenschaftler. Die Kühe überstanden den Versuch, ohne Schaden zu nehmen. Bezüglich Kondition, Gewicht, Milchleistung, Gesundheit oder Fruchtbarkeit seien die mit Genmais gefütterten Kühe nicht von ihren normalen Stallnachbarn zu unterscheiden gewesen.
Zur Übersicht: Aktuell